Wiegenlieder für verirrte Schäfchen – Saint Saviour

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Es mag Gefühle geben, bei denen man sich die Kehle aus dem Hals brüllen muss. Auch in der Musik scheint Gejodel zur Stimmbarmachung von Emotion legitim. Und doch: Leise ist das neue Laut. Unter anderem durch das Erstarken des (Indie-)Folk wurden in den letzten Jahren vermehrt Stimmungen gepflegt, die keinem schrillen Pathos huldigen. Auch getragene Empfindsamkeit entwickelt eine große musikalische Kraft, die den Hörer zu fesseln weiß. Das Album In The Seams der Britin Saint Saviour belegt dies. Mit ihrem sanften, vergrübelten Piano-Pop und nachdenklichen, folkigen Gitarren-Balladen ist Saint Saviour die Ruhe in Person. Sie träumt, sinniert, flüstert und erzählt, krakeelen tut sie dagegen nie. Vielmehr hängt sie Gedanken nach, singt sich mit viel Anmut ein zartbesaitetes Stück Leben von den Lippen. All das gleicht einer Beichte in ein Tagebuch, Hoffnungen inbegriffen.

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Grey’s Anatomy Soundtrack: Folge 1015 Was wir entsorgen (Streams + Mp3s)

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Episode 10×15

“Was wir entsorgen”

OT: “Throwing it all away”

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Die 80er-Covermania geht munter weiter im Grey’s Anatomy Soundtrack. Wobei in einem Fall das Original ertönt. 1981 stürmten Soft Cell mit Tainted Love an die Spitze der Charts. Beinahe hätte ich hinter die Version von Gloria Jones “Soft Cell-Cover” geschrieben, allerdings intonierte die Souldiva schon in den 60ern erfolgreich diesen Titel. Dass düster-sinistrer Wave-Pop auch in Twee umgewandelt werden kann, zeigen uns Joy Zipper zu Beginn der Episode. Online nicht auffindbar blieb leider das Maneater-Cover von Graham Fink. Dafür beschenken uns The Wind And The Waves mit ihrer Adaption von Cindy Lauper Time After Time (Soundcloud-Link findet ihr unten). Über die 80er so generell habe ich schon anlässlich der Folge 1014 vergangenen Woche genug schwadroniert. Ein Blick in die abc music lounge zeigt, da blüht uns noch so einiges aus diesem Jahrzehnt in dieser Staffel. Gulp! Da müssen wir jetzt wohl durch.

 

Joy Zipper – “Just Like Heaven” (The Cure Cover)

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Die neuen Achtziger – The Dø

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Ein frankophones Achtziger-Synthie-Dancefloor-Pop-Kuddelmuddel gefällig? Dann sollte man sich schleunigst das Album Shake Shook Shaken des französisch-finnischen Duos The Dø besorgen. Die von ABBA über futuristischen Electro-Soundtrack vergangener Tage bis hin zu gegenwärtigen Protagonisten wie den Chromatics reichenden Einflüsse sind gut gewählt. Die angeschwülte, oft sogar fiebrige Note des Werks beschert ein zum Mitsteppen anregendes Album. Es ist eine angenehm rückwärtsgewandte Platte, die sich durch die Musikgeschichte zitiert und auch darum zum Besten zählt, was uns 2014 an Klängen beschert hat. Vor allem entzückt es als Lebenszeichen aus französischen Breiten. Dabei müssen The Dø gar keinen lasziven Akzent aus der Mottenkiste kramen, um Shake Shook Shaken mit Charme zu verbrämen. Eigentlich scheint der glorreiche French Pop vergangener Dekaden längst vergessen, in der internationalen Wahrnehmung haben französische Acts in den letzten 20 Jahren massiv an Bedeutung verloren. Diese Platte aber trotzt dem Trend!

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Stippvisite 23/10/2014

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Musik fällt nicht einfach so in den Schoß. Man sucht sie, entdeckt sie, nur selten schnappt man sie zufällig irgendwo auf. Wenn ich die Seiten meiner geschätzten Bloggerkollegen und manch vertrauter Magazine durchstöbere, ist die Wahrscheinlichkeit freilich groß, dass ich eher früher denn später auf besondere Klänge stoße. So auch dieses Mal!

Debüttipp:

Musiker sind trotz mancher Eigenarten normal tickende Menschen. Auch für sie gilt, dass viele gerne mal Chef spielen wollen, eine eigene Band gründen möchten, nach einer Selbstverwirklichung streben. Warum auch nicht? Speziell wenn das Ergebnis eine umwerfende Dream-Pop-Single ist. Anna Bulbrook, Bandmitglied bei The Airborne Toxic Event, und Marc Sallis, Bassist bei The Duke Sprit, haben sich zum Duo The Bulls zusammengeschlossen und dieser Tage den Track Come Unwound veröffentlicht. Dieser Song besticht durch den verträumten Gesang Bulbrooks, shoegaziges Gitarrenspiel und eine für dies Genre untypisch präsente Violine. Es ist ein Lied, das in den Strophen ätherisch atmet und im Refrain hymnisch dröhnt. Eine Schwalbe macht bekanntlich keinen Sommer, ein tolles Stück garantiert noch kein starkes Album, aber in diesem Fall kann ich mich kaum zurückhalten und harre gespannt den Lieder, die da hoffentlich in Bälde kommen. Diese Bandgründung jedenfalls scheint eine verdammt gute Idee. (via Coast Is Clear)

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Grey’s Anatomy Soundtrack: Folge 1014 Heimlichtuereien (Streams + Mp3s)

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Episode 10×14

“Heimlichtuereien”

OT: “You’ve Got to Hide Your Love Away”

 

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Uhm, oh,…. von mir gibt’s heute leider keine Lobesworte über den Soundtrack. Don’t You Forget About Me von den Simple Minds war für mich die Hymne meiner frühen Teeniezeit. The Breakfast Club, zu dessen Soundtrack der Song der Schotten gehörte, mein absoluter Lieblingsfilm. Nicht zu vergessen: Molly Ringwald meine noch viel absolutere Lieblingsschauspielern. Als ich mir das erste Mal mit dem gerade neu erfundenen, färbenden Schaumfestigerzeugs die Haare rötete, dachte ich nur an sie. Mit Pretty in Pink überzeugte sie mich sogar kurzfristig davon, dass die Mädchenfarbe mit Überzeugung tragbar sei.

Im Radio dudelte das Lied auf und ab und ich habe lauernd neben der Aufnahmetaste meines Kassettenrecorders gesessen, um im richtigen Moment “Record” zu drücken und Dont’ You Forget About Me bis zum nächsten Bandsalat hoch und runter dudeln zu können (für den Fall, dass es im Radio gerade mal nicht lief).

Für “so richtig gute” Musik konnte mich dann erst 1988 MTV nach Anschluss unseres Kleinstädtchens ans Kabelnetz begeistern. So erwählte ich mit Cindy Lauper die nächste rothaarige Heldin. Weiterlesen »


Grey’s Anatomy Soundtrack: Folge 1013 Umbrüche

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Episode 10×13

“Umbrüche”

OT: “Take it back”

 

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Da hab ich tatsächlich letzte Woche das Ende der “Sommerpause” von Grey’s Anatomy auf Pro7 verschlafen. Somit reiche ich den Soundtrack verspätet nach und mache mich so gleich an das Verfassen des Beitrags der heutigen Episode Heimlichtuereien, da wir auch wieder mehr Musik geboten.

Sleeping At Last – “Total Eclipse Of The Heart”

Links: Noisetrade (Free EP) , Facebook Weiterlesen »


Begnadetes Alterswerk einer Ikone – Marianne Faithfull

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Die Ikonen von gestern taugen oft nur als belächelte Relikte, die in der Gegenwart dahinvegetieren und als Mahnmal der Vergänglichkeit durch eine indignierte Öffentlichkeit vagabundieren. Was wurde eigentlich aus…? ist eine Rubrik, die im besten Falle Nostalgie, im schlimmsten Falle Betroffenheit erzeugt. Umso erfreulicher erscheint es mir, wenn eine der spannendsten, biographisch gebeutelsten Figuren der Musikszene im zarten Alter von 67 Jahren eine ganz starke Platte veröffentlicht, die Logik einstigen Ikonentums somit durchkreuzt. Marianne Faithfull ist mit Give My Love to London ein reifes Alterswerk gelungen, das mit Beiträgen aus dem Who’s who der Musikergilde aufwarten kann. Nick Cave, Anna Calvi, Roger Waters, Tom McRae, Leonard Cohen und Steve Earle haben dem Songwriting dieser Platte Leben eingehaucht. Doch hat die Crème de la Crème nicht nur Songs beigesteuert, mit Adrian Utley (Portishead), Ed Harcourt, Warren Ellis (Dirty Three, Nick Cave and the Bad Seeds) stand jede Menge musikalische Kompetenz im Studio zur Verfügung. Sogar ein Brian Eno hat für Backing Vocals vorbeigeschaut. Produziert wurde das Album von Rob Ellis, dem Leibproduzenten von PJ Harvey, und Dimitri Tikovoi, der in der Vergangenheit etwa Placebos Meds unter seine Fittiche genommen hat. Wem angesichts all der Namen der Kopf schwirrt, sollte sich schlichtweg merken, dass bei Give My Love to London mehr als nur ein goldenes Händchen Hand angelegt hat. Und doch wäre alles Zutun Schall und Rauch, würde Faithfulls mal kratzig-intensiver, mal knorrig-abgeklärter Vortrag nicht zünden. Das aber tut er.

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Harte Schale, Wiener Kern – Wanda

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Vor ein paar Wochen schon habe ich das sagenhafte Debüt der Wiener Formation Wanda über den grünen Klee gelobt und als fehlendes Verbindungsglied zwischen Austropop und Indie-Rock bezeichnet. In der Begeisterung hatte ich gar gemutmaßt, dass ein Pete Doherty, wenn er denn mit Wiener Schmäh anstatt britischer Rüpelhaftigkeit sozialisiert worden wäre, wohl allzu gern mit den Jungs von Wanda musizieren würde. Gerade in den letzten Jahren haben sich einige pfiffige österreichische Bands dadurch verdient gemacht, dass sie dem Vakuum zwischen gediegener Hochkultur und provinzieller Volksmusikalität jede Menge frischen Wind einhauchen. Mit dem Album Amore läuten Wanda endgültig eine Renaissance des Austropop ein, der seit den Siebzigern und Achtzigern doch nur noch in der nostalgischen Erinnerung bestand. Was mir an dieser Platte so imponiert, ist die spezielle österreichische Mentalität, jene Melange aus suderndem Überschwang und lässigem Schlawinertum. Kraftvolle Emotion trifft hier auf die morbide Wiener Seele, der herbe Charme des Gemeindebaus auf das ganz große Leben.

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In einer unterdrückten wie rebellischen Zukunft – Warm Graves

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Man nehme die Unangepasstheit des Krautrock, die ausufernde Imposanz von Pink Floyd, die rätselhafte Aura des Ambient, vermenge dies mit Ritualtanzästhetik und stelle diesem mächtigen Soundgewitter einen Chor entgegen, der seinerseits wie eine Mischung aus griechischer Tragödie und sakraler Inbrunst sowie einem die Internationale intonierenden Arbeitergesangsverein erinnert. Wem diese Beschreibung die Neugier in die Ohren treibt, der sollte die Formation Warm Graves für sich entdecken. Die Tracks des demnächst erscheinenden Debüts Ships Will Come funktionieren zwar allesamt fast nach dem selben Muster, jenes aber ist verdammt clever gestrickt.

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Bestandsaufnahme eines Tausendsassas – PeterLicht

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Das perfekte Konzert? Begeistert es durch die Wortlosigkeit zwischen den einzelnen Liedern, durch einen puristischen Fokus auf Musik, der keinerlei Small Talk erlaubt? Oder zeichnet sich ein Konzert dadurch aus, dass der Musiker zum Entertainer mutiert, der den Flickenteppich der Lieder zu einem großen Ganzen moderiert? Beide Extreme vermögen mitunter zu überzeugen. Problematischer dagegen erscheint ein Wischiwaschi dazwischen. Was für Konzerte gilt, verhält sich bei Live-Alben auch nicht anders. Ich bin nicht unbedingt der größte Verfechter von Konzertmitschnitten. Dieser Tage jedoch wurde angesichts der Doppel-CD Lob der Realität schwach, denn sie nicht weniger als das, was ich mir unter gelungenem wie unkonventionellem Einfangen von Live-Atmosphäre vorstelle. Und das ausgerechnet von PeterLicht, der vielleicht unnahbarsten Gestalt des deutschen Pop. PeterLicht treibt die Ambivalenz von öffentlicher Person und privater Existenz auf die Spitze. Er ist der, der in einer durchmedialisierten Zeit seinem Tun kein Gesicht gibt. Er ist der, der Anonymität als Markenkern definiert hat. Der das Spiel des Musikgeschäfts mitspielt – doch nach seinen eigenen Regeln. PeterLicht scheint nicht nur unnahbar, sein Schaffen ist ebenfalls schwer fassbar. Er gibt einerseits den Autor, der sich in die Niederungen des Ingeborg-Bachmann-Preises herablässt, macht andererseits Pop mit politischer wie auch zur Groteske neigender Singer-Songwriter-Attitüde. Dass er am Anfang der Karriere gleich mit Sonnendeck einen unvermuteten Hit verbuchen konnte, mag all die Dinge erst ermöglicht haben. Lob der Realität gerät somit zur Bestandsaufnahme eines Vielseitigen.

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