Und der Canasta-Club klatscht Beifall – Kyla La Grange

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Wer möchte das nicht, irgendwann einmal im Rentneralter den Enkeln – zumindest aber den übrigen Mitgliedern des Canasta-Clubs – voller Stolz erzählen, wie man denn einst den Baustein gelegt habe, dass man nun im hohen Alter ein sehr gutes Auskommen finde. Und ich drücke der britischen Singer-Songwriterin Kyla La Grange wirklich beide Daumen, dass sie in 50 Jahren auf 2014 zurückblicken und ihr Zweitlingswerk Cut Your Teeth als finanziellen Durchbruch ansehen darf. Denn aus der künstlerischen Perspektive ist dieses Album doch ein großer Rückschritt in der noch jungen Karriere. Es fällt schlichtweg mainstreamig und fehlproduziert aus, kann sich nicht am überragenden Debüt Ashes messen, mit welchem sie mich zu begeistern wusste. “Kyla La Grange tritt mit Siebenmeilenstiefeln in die Fußstapfen einer Florence Welch! Und sie passen in der Tat wie angegossen.” hatte ich anlässlich ihres Debüts notiert. Und das auf große Melodien, kräftige Gefühle und atemberaubenden Pathos zurückgeführt. Wo auf Ashes Drama-Pop mit folkiger Note zündete, präsentiert sich Cut Your Teeth in neuem Gewand, mit Synthies verbrämt und um keinerlei orchestrale Opulenz verlegen. Bei dieser Platte dominiert Kommerz statt Emotion.

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Hinterwäldlerische Authentizität – Alana Amram & The Rough Gems

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All die kultivierten Singer-Songwriterinnen mit ihren tönernen Seelchen, die mit traurig-schnuckeligen Glubschaugen durch die Stadt wandern! All die jungen, emotional aufgebretzelten Liedermacherinnen, die in die einsame Wildnis ziehen, um in abgeschiedener Genügsamkeit Sinn und Sein und Gänseblümchen zu suchen! All sie darf und soll es geben. Aber ich schätze auch die in Flanell gehüllte Landpomeranze, die Hemdsärmeligkeit statt Mädchenhaftigkeit versprüht. Eine raukehlige wie poetische Urtümlichkeit ist keine Schande. Und genau diese strahlt die Amerikanerin Alana Amram aus. Zusammen mit ihrer Begleitband The Rough Gems tourt sie im Herbst durch Europa, mit im Gepäck ein wirklich gelungenes Album namens Spring River. Mit einer kräftigen Mischung aus Rock, Folk und Alternative Country bietet die Platte Americana vom Feinsten. Es ist die Sorte Musik und die Art von Gesang, die sich die Authentizität durch ungezählte Meilen auf amerikanischen Backstreets angeeignet hat.

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Unberechenbarer Grandseigneur – Mark Lanegan Band

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Man hört es ja immer wieder, ein Musiker oder eine Band nehmen Dutzende Songs auf, von denen es dann eine handverlesene Auswahl auf ein Album schafft. Was jedoch geschieht mit dem Rest? Mit jenen Liedern also, die zwar als würdig genug angesehen wurden, aufgenommen zu werden, aber letztlich eben nicht für die Platte auserkoren wurden. Mitunter verwerten namhaften Acts dies auf Deluxe-Bonus-Special-Editionen, oder aber solche Ausschussware verharrt im Archiv und wird irgendwann einmal gleich einem Kaninchen aus dem Hut gezaubert. Man denke etwa an an das vier CDs umfassende Tracks von Bruce Springsteen. Und auch The Cure sollen von ihrem letzten Album 4:13 Dream von 2008 noch die eine oder andere Aufnahme in petto haben, die demnächst doch noch die Plattenregale erblicken werden. Der famose Mark Lanegan hat sich dagegen einen anderen Zugang überlegt. Als Mark Lanegan Band veröffentlicht er die Überbleibsel auf einer EP namens No Bells On Sunday, kündigt damit das später im Jahr erscheinende Album Phantom Radio an. Herr Lanegan lässt somit ohne Not eine 5 Stücke umfassende EP auf den Hörer los. Angesichts der zahllosen Kollaborationen hat man aber ohnehin das Gefühl, dass kein Jahr verstreicht, in welchem der umtriebige Amerikaner nicht mit mindestens einem neuen Werk um die Ecke kommt. Diese Handvoll Songs muss also doch außergewöhnlich sein, wenn das Format EP bemüht und von der Länge her sogar ausgereizt wird.

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Stippvisite 14/08/2014 (Die Kollegin macht es richtig!)

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Ich verstehe mich ja als Blogger, der trotz deklarierter Vorlieben in allerlei Genres hineinschnuppert, Musik quer über den Erdball hinterherhastet, dabei von Weltmusik über Indie-Rock bis hin zu Electronica eine Vielfalt abzubilden trachtet und Perlen aus dem Alles fischt. Das ist ein Zugang, der zum Verzetteln einlädt. Die geschätzte Kollegin Eva-Maria ist da viel klüger. Mit dem federführend von ihr gestalteten Polarblog stöbert sie seit Jahr und Tag skandinavischen Musikern nach, kombiniert dies mit einer ohnehin vorhandenen Zuneigung zu nordischen Gefilden. Als Resultat steht ein Musikblog, der neben Musik auch ein Lebensgefühl, ein Gespür für Land und Leute zeitigt. So gewinnt ein Blog ein ureigenes Wesen, erwächst etwas, das nicht einfach nur die neuesten Clips, Singles oder Tourneen ankündigt. Und keine Neuerscheinungen mit preußischer Pedanterie abarbeitet. Die gute Eva-Maria verfügt auch über eine wunderbar flüssige, Gedanken nachhängende Schreibe. Da werden keine Fakten heruntergerattert, Floskeln bemüht oder gar die weite Welt akademischen Feuilletons aufgebreitet. Wenn ich den Bloggerhut ab- und den Leserhut aufsetze, dann will ich kein bemühtes Gestammel oder besserwisserisches Gekritzel mehr erspähen. Ich möchte vor allem etwas lesen, worin Zeit, Gedanken, Kreativität und Warmherzigkeit investiert wurden. Dieser Tage nun hat Eva-Maria mit Plan My Escape einen weiteren Themenblog gestartet, der sich mit belgischer Musik beschäftigt. Denen, die noch schmökern wollen, ist er hiermit sehr ans Herz gelegt!

Elika

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Lauschrausch LXI: Dark Horses

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Es erfüllt mir durchaus mit einem gewissen Stolz, wenn ich immer mal wieder im Archiv dieses Blogs krame. Bedeutet es doch, dass wir nicht erst seit gestern über Musik schreiben und sich im Lauf der Jahre doch viele Bands und Musiker auf unserem Blog die Klinke in die Hand gegeben haben. Wenn auch mitunter die Erinnerung ein wenig verblasst, so existieren natürlich Acts, die nicht so leicht aus dem Gedächtnis purzeln. So etwa die im englischen Brighton angesiedelte Formation Dark Horses, die wir in den letzten beiden Jahren zweimal erwähnt haben. Nun gibt es wieder Neuigkeiten in Form einer mit Schmackes vorgetragenen Single namens Saturn Returns zu vermelden. Der Kollege von Coast Is Clear attestiert dem Track “Motorikbeats, fette Synthies und eine düstere Atmosphäre” und lobt die “Siouxsie-eske Stimme der Sängerin” Lisa Elle. Peter von den Schallgrenzen benennt den Track “[s]chmuddelig, verhallt und verzerrt, Musik wie geschaffen für den versifften Kellerclub” und fühlt sich an die ganzen frühen Placebo erinnert. Mir fehlen noch die Worte, doch blicke ich sehr hoffnungsfroh dem für Ende August angekündigten Album Hail Lucid State entgegen. Auch weil das Label keine Zurückhaltung kennt, vielmehr den großen Wurf verspricht: “Hail Lucid State’ is burning anxious punk pop, a progressive collection bursting with outright hit singles. Their floating transcendental synths now buried under a pioneering blend of Siouxie & The Banshees meets T-Rex. Urgent, catchy, and irresistible.”. Man darf sich also freuen, auch auf eine Tour im Herbst!

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Chaos am Buffet – Trans Am

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Was ist wohl lebensgefährlicher? Sich mitten auf eine frequentierte Autobahn zu stellen oder aber sich bei einer Veranstaltung vor dem Buffet zu positionieren, um stolz zu verkünden, dass selbiges nun eröffnet sei? Jede Schlacht ums Buffet radiert hundert Jahre zivilisatorischen Fortschritts binnen weniger Minuten aus. Wir lieben die Vielfalt, die uns ein üppig angerichtetes, abwechslungsreiches Büffet bietet. Alle erdenklichen Canapés dürfen es sein, natürlich sollen auch mit Oliven oder Cocktailtomaten verfeinerte Käsespießchen sowie Garnelenringe nicht fehlen. Je kunstvoller und vielfältiger die Kalten Platten drapiert sind, desto lustvoller und sabbernder wühlen wir darauf herum. Wir delektieren uns an der breiten Palette von Köstlichkeiten. Umso eigenartiger finde ich es, dass wir es etwa bei der Musik gerne kohärent haben. Ein Album hat gefälligst einen vorherrschenden Musikstil aufzubieten, ein Zuviel an Abwechslung überfordert uns. Dann bemängeln wir fehlende Durchdachtheit. Eine Schallplatte muss zehnmal die gleiche Soße anbieten, die sich lediglich in Nuancen unterscheiden darf. So mag es der Durchschnittshörer. Und aus diesem Grund wird Volume X der US-Trios Trans Am auf wenig Gegenliebe stoßen.

Trans Am ist ohnehin die Sorte Band, die man zwar dem Namen nach kennt, von der man aber so gar nichts im Plattenschrank stehen hat. Mit ihrem zehnten Album hat die Formation allerdings endgültig den Vogel abgeschossen und viele potentielle Fans vergrätzt. Denn sie beackert berserkhaft die Musikgeschichte, gerade so als müsste sie uns hier und heute in einem Crashkurs erklären, was gestern und vorgestern angesagt und modern war. Volume X ist – mit Verlaub – Kraut und Rüben. Schon die ersten zwei Songs unterstreichen diesen wirren Genre-Mix. Der Opener Anthropocene etwa ist so gut, wie synthielastiger Rock nur sein kann. Weiterlesen »


Berlin Festival 2014: Klein ist das neue Groß!

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Berlin genießt den Ruf einer Partystadt. Und zu mehr taugt diese vermeintliche Metropole wohl auch nicht. Berlin ist letztlich nichts als ein Trugbild, dessen unzählige Puzzleteile sich partout nicht zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügen wollen. Diese Stadt wäre gerne die große Nummer, doch dieser Wunsch wird von einer Kiezmentalität immer und immer kassiert. Auch die Nachwirkungen der Mauer sind noch immer nicht ausgestanden. Nach wie vor spiegeln sich Osten und Westen, ob Funkturm und Fernsehturm, Tierpark oder Zoo, vieles ist in doppelter Ausführung gewachsen und auch Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung noch vorhanden. Im besten Falle ist Berlin eine Ansammlung kunterbunter Sehnsuchtsorte, deren Diversität keine gemeinsame Identität zulässt. Außer der, dass die Metropole unermessliches Chaospotential in sich birgt. Und so fügt es sich ins Bild, dass das seit 2009 auf dem Gelände des ehemaligen Tempelhofer Flughafens durchgeführte Berlin Festival dieses Jahr kurz vor knapp den Veranstaltungort wechselt.

Als Laie hat man natürlich nur marginale Einblicke in die Organisation eines Festivals. Wenn mir Veranstalter eine kurzfristige Verlegung eines Festivals jedoch als Entscheidung für ein perfektes Ambiente aufschwatzen wollen, kann ich freilich nur den Kopf schütteln. Nun also wird man die ehrwürdigen Hallen und Hangars Tempelhofs gegen eine an der Spree gelegene, kleinere Arena eintauschen. Es wäre der erste Neuanfang der Welt, der eine offensichtliche Schrumpfung innigst umarmt. Weiterlesen »


Espenlaub für Puristen – Mirel Wagner

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Wir müssen über Hautfarbe reden. Weil all der schöne Schein der Gleichberechtigung aller Rassen und Geschlechter letztlich doch trügerisch ist. Denn noch immer bestimmen Herkunft und Aussehen die persönliche Entwicklung. Betrachten wir doch nur einmal das weite Feld der Musik. Indie-Rock-Kapellen etwa sind weltweit von den Spröss­lingen der weißen Mittelschicht dominiert. Die in westlichen Ländern reüssierenden Singer-Songwriterinnen sind in aller Regel porzellanblass und fragil. Rapper dagegen sind in angloamerikanischen Raum schwarz, in Deutschland überwiegend türkischer oder arabischer Abstammung. Und was wäre eine Euro-Trash-Truppe ohne Quoten-Schwarze? Neun von zehn Souldiven haben eine ganz bestimmte Hautfarbe. So bestätigt und festigt Musik jeden Tag neu all unsere Vorurteile. Ethnische Zugehörigkeit und sozialer Ursprung prädisponieren unser Tun, leider. Am augenscheinlichsten wird dies, wenn wir uns einer Ausnahme gegenübersehen. Nehmen wir etwa Mirel Wagner, eine junge Finnin äthiopischer Abstammung, die als Baby adoptiert und in der Vorstadtbeschaulichkeit Helsinkis sozialisiert wurde. Wagners Liedermachertum ist von Reduktion und stoischem Sehnen geprägt, einer ohne Fisimatenten tönenden Stimme wird eine meist akustische Gitarre beigefügt, die Grundstimmung mit der einen oder anderen bluesigen Note veredelt. Ihr zweites Album When The Cellar Children See The Light Of Day begeistert als zitterndes Espenlaub für Puristen, welche Sentimente ohne Popanz schätzen. Solch skelettierter Sound spottet nämlich Erwartungshaltungen, besetzt keinerlei Klischees.

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In Zeiten wie diesen – Tiny Fingers

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Es mag bessere Tage als die derzeitigen geben, um über eine israelische Band zu schreiben. Und auch wenn die im Folgenden vorgestellte Musik keine Rückschlüsse auf die Herkunft zulässt, keinerlei politisches Statement beinhaltet, kommt man an der israelischen Provenienz nicht vorbei. Israel ist wie praktisch kein anderes Land mit positiven wie negativen Assoziationen aufgeladen. Israelis nimmt die Weltöffentlichkeit in erster Linie als Staatsbürger und Mitglieder einer Religionsgemeinschaft wahr, erster in zweiter Linie wird er oder sie als Individuum mit Befähigungen angesehen. So wichtig ich es gerade im Bereich der Kunst finde, dass etwa Musiker (gesellschafts-)politische Positionierung vornehmen, so notwendig erscheint es mir im konkreten Fall, dass man bei israelischen Künstler nicht zuerst Botschaften oder Standpunkte wittert, sondern das Ohr an den Puls der Kreativität legt. Und davon hat beispielsweise die Formation Tiny Fingers durchaus einiges zu bieten. Das endlich auch in Deutschland erscheinende Album Megafauna imponiert durch seine hochenergetische Mischung aus Prog-Rock und Post-Rock.

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Stippvisite 31/07/2014 (Kein Bloggen aus dem stillen Kämmerlein!)

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Ich habe schon länger nicht mehr über den Tellerrand des eigenen Blogs geschielt. Das hat allerdings nur bedingt mit einer Wagenburgmentalität zu tun, es gibt genügend bloggende Kollegen, deren Tun ich nach wie vor sehr schätze. Generell jedoch sehe ich die Blogkultur gefährdet. Die Interaktion auf Blogs etwa nimmt allgemein ab, ein Austausch über Inhalte erfolgt via Twitter oder Facebook, Kommentare auf Blogs dagegen sind rar gesät. Ich spreche natürlich jetzt dezidiert von Musikblogs, denn meinungsstarke Aufregerblogs oder Lifestyle-Gedöns gedeihen prächtiger denn je. Möglicherweise liege ich mit meiner Einschätzung auch völlig falsch. Was weiß ich schon nach all den Jahren von der Bloggerei? Heute habe ich nämlich auf Spiegel Online ein Interview gelesen, in welchem ein Reiseblogger namens Sebastian Canaves erklärt, wie man mit dem Bloggen Geld verdienen kann. Bloggen als Business. Vieles an diesem Interview lässt mir die Haare zu Berge stehen, denn das Zauberwort scheint wohl Reichweite zu sein. Je mehr Leser man auf einen Blog zu locken vermag, desto attraktiver wird man für die Unternehmen. Dann lohnt Werbung. Dann wird das Tun mit bezahlten Advertorials honoriert. Canaves verkauft sein Erfolgsrezept sogar, für schlappe 169 Euro kann man an seinem Blog Camp teilnehmen. Ich möchte keinesfalls an seiner Redlichkeit zweifeln, Fragen wirft das Interview dennoch auf.

Nun sei es jedem gegönnt, aus dem Hobby (Bloggen!) einen Beruf (Blogger!) zu machen und damit auch Geld zu verdienen. Doch wird dafür oftmals die Seriosität geopfert. Allzu penetrante SEO-Optimierung, sensationsheischende Überschriften, tonnenweise Gewinnspiele oder zuhauf gekaufte Produkttests spülen vielleicht Geld in Bloggertaschen, begrüßen muss man diese Vorgehensweisen freilich nicht. Sobald man nach Reichweite giert, um für die werbende Industrie interessant zu werden, muss man ständig an der Polemik- und Kritikschraube drehen, tagtäglich mit neuen Buzzwords um sich werfen, um von Google (weiter) geliebt zu werden. Und wenn man für Advertorials oder Produkttests bezahlt wird, ist eine unabhängige Einschätzung schwerlich möglich. Erfolgreiche Blogger lassen sich also von SEO-Regeln die Schreibe und von Auftraggebern Inhalte und Meinung diktieren. Wie erstrebenswert ist dies?

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