Die 10 Alben, die mich am meisten bewegt haben

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Der sehr geschätzte Kollege Nico hat mich auf seinem Blog und via Facebook nominiert, jene zehn Alben zu nennen, die mich im Laufe meines Lebens am meisten bewegt haben. Gern komme ich dieser Aufforderung nach und benenne diese. Ich tue mir dabei gar nicht einmal besonders schwer, denn obwohl sich diese 10 Platten vielleicht nicht gänzlich mit meinen ewigen Lieblingsalben decken, so hat es doch immer wieder Platten gegeben, welche mir zu einem gewissen Zeitpunkt richtig ans Herz gewachsen sind und für die ich mich auch heute noch keinesfalls schämen muss. Ich will kurz und chronologisch erläutern, warum ich genau diese Werke gewählt habe.

Bruce SpringsteenNebraska (1982)

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Zusammen mit Japanese Whispers von The Cure war Springsteens Nebraska Ende der Achtziger meine allererste Vinyl-Platte. Dieses reduzierte, folkige Singer-Songwriter-Album hat einerseits meine Liebe zu Underdogs für immer einzementiert und mich weiters auch dahingehend geprägt, dass ich Storytelling so liebe.

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Release Gestöber 60 (Blockhead, Wanda, Gus By Heart)

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Blockhead

Treue Leser dieses Blogs werden über die Jahre vielleicht schon bemerkt haben, dass ich ein großer Fan von Blockhead bin. Der US-Amerikaner ist ein Sample-Guru und Downtempo-Virtuose, dessen Platten stets einen uneingeschränkten Genuss darstellen. Anlässlich seines vorangegangenen Albums Interludes After Midnight schrieb ich dies: “Wie kaum ein anderer zimmert er Hip-Hop-Beats, gibt der Chose eine oft funkig austarierte Note, erweckt allerlei Vocal-Samples zum Leben. Wo Electronica oft in steriler Tüftelei vergeht, wirkt sein Tun überaus quirlig, hemdsärmelig gezimmert, mitunter aus der Zeit gefallen und dennoch keineswegs altbacken.” Ich nannte die Platte damals einen Trip durch den urbanen Dschungel. Demnächst steht nun mit Bells and Whistles ein neues Werk zur Veröffentlichung an. Und doch ist nicht alles eitel Wonne. Denn diesmal wird Blockhead sein Album in Eigenregie veröffentlichen. Die Gründe für das keinesfalls bittere Ende der Zusammenarbeit mit dem renommierten Label Ninja Tune hat er auf seinem Blog dargelegt. Ninja Tune habe sich nach fünf Alben dagegen entschieden, Bells and Whistles herauszubringen, da ein mit Samples gespicktes Album viele Probleme berge. Auch andere Plattenfirmen hätten deshalb abgewunken. Blockhead erklärt dies so: “While I’d argue that the stuff I’m using is pretty obscure, I can’t blame labels for being hesitant. After all, the way they make money off music in 2014 is by licensing songs for tv, movies and commercials. When a song is chock full of samples (as mine tend to be) that severely limits what these labels can do with your music.” Längst sind es nicht mehr Plattenverkäufe oder gar Streams, die ein wenig Kleingeld in die Kassen spülen. Die Lizenzierung eines Track für TV, Fernsehen oder Werbung ist eine der verlässlichsten Geldquellen. Wenn jedoch ein Musiker eine Menge Samples benutzt, wäre das rechtlich äußerst heikel. Weiterlesen »


Ohne evangelikales Frohlocken – Xenia Kriisin

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Gospel-Chöre im Pop sind eigentlich nur selten eine gute Idee. Weil sie die Chose entweder ganz und gar überschmalzen oder aber mit allerlei Erweckungstamtam um die Ecke kommen. Im Falle der Schwedin Xenia Kriisin wirkt der bei vielen Liedern vorherrschende Chorgesang jedoch stimmig. Hymn, der Titel ihrer Platte, ist somit programmatisch zu verstehen. Aus allerlei folkloristischen und eben gospeligen Elementen sowie Anleihen bei Leslie Feist und Ane Brun formt Kriisin schimmernde Balladen, tröstliche Erbauungsmusik und percussionlastigen Kunstpop. Doch so sehr man diesen stimmungsvollen Sound sogleich mögen kann, so undurchdringlich entpuppen sich zunächst die Texte. Sie offenbaren einen eigentümlichen Mix aus der Beschäftigung mit dem Lebensende, religiöser Schwärmerei und einer apokalyptischen Gott-ist-tot-Klage. Wer nun den Braten zu riechen glaubt, dem sei versichert, dass es sich um keinen plump-christlichen Pop handelt, der die Last des Lebens immer mit dem Verweis auf Jesus vom Tisch wischt. Denn solche Art von Musik geht selbst mir als Katholiken mächtig gegen den Strich.

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Release Gestöber 59 (Wooden Arms, LaBrassBanda, Russian Red)

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Wooden Arms

Mit Chamber Folk weihevollen, andächtigen Zuschnitts vermag die englische Formation Wooden Arms zu imponieren. Ihr ob der Kürze fast eher zur EP taugendes Album Tide verkörpert geradezu den Moment, in welchem der Ruhepuls einen Tick nach oben schnellt, wenn er vom Zustand eines seligen Erstaunens angetrieben wird. Dank kammerorchestralem Gehabe zeigt es sich als sanfter Sinneskitzler und Seelentröster, kurzum als die Sorte Platte, die das letzte Mosaiksteinchen beschert, um mit dieser so vertrackten Welt in Einklang zu kommen. Das Einnehmende des Sound erläutert die Formation in einer prägnanten Selbstbeschreibung: “Classical instrumentation meets modern melody.”. Ein wohltemperiertes Piano, elegante Streicher, erhebender Chorgesang, derart funktioniert Tide.

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Eine Neugeburt des Pop – My Brightest Diamond

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Ich möchte versuchen, die Kirche im Dorf zu lassen. Einfach ist das jedoch nicht, denn das Album This Is My Hand ist für mich eine Art Neugeburt des Pop. Es begeistert als avantgardistische Pop-Platte, deren erste Hälfte zum edelsten gehört, was mir in den sechs Jahren, die dieser Blog nun besteht, so in die Ohren gekommen ist. Shara Worden ist mit ihrem Projekt My Brightest Diamond längst kein Geheimtipp mehr. Aber mit dieser Großtat wird aus einer einer starken Singer-Songwriterin eine waschechte Ikone. Natürlich leben wir in fragmentierten Zeiten, in denen sich die Musik längst nicht mehr hinter einer Handvoll Idole schart. Diese virtuose Platte freilich vermag Spuren zu hinterlassen. Wenn man sie begreift, wenn man es denn wirklich möchte. Eines der hervorstechenden Merkmale des Werks besteht darin, dass es ein weibliches Bewusstsein jenseits aller Klischees und Trivialitäten transportiert. Frau wird hier nicht zur Gefangenen des eigenen Emotionshaushalts, präsentiert sich nicht als wie Espenlaub zitterndes Wesen, das dem Unbill tiefer Gefühle ausgeliefert scheint. Zugleich ist Worden die Gestalt des aufgesexten Vamps fremd. Sie schlüpft in eine Rolle, die weder erduldende Passivität noch überschminktes Domina-Gehabe kennt. Auch mädchenhafte Blümchenmuster wird man vergeblich suchen. Ihre Attitüde variiert vielmehr zwischen nüchternem Selbstbewusstsein, ambivalenter Bekenntnishaftigkeit und poetischer Wucht.


My Brightest Diamond – “Pressure” (Official… von scdistribution

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Angedunkelter Retro-Soul-Pop mit Stil – Kovacs

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In diesem Herbst gilt es so manches unterschätztes Album zu bestaunen und einige überschätzte Platten zu belächeln. Aber Musik muss sich ja nicht immer über Meilensteine und schon gar nicht über unerträgliches Radiogedudel definieren. Ein Lied darf – ja, soll – gern unterhaltsam aus den Boxen tönen, das Herz erfreuen und das Hirn dabei nicht beleidigen. Mit Retro-Soul-Pop macht man da eigentlich nichts verkehrt. Er ist selten mies oder fade, verbindet Gefühl mit ansprechendem Schwung. Und deshalb möchte ich auf die aus den Niederlanden stammende Sängerin Kovacs hinweisen, die dieser Tage mit ihrer EP My Love durch Deutschland tourt.

Der Pressetext legt Vergleiche mit Portishead oder Amy Winehouse nahe. Die sehe ich zwar nicht, aber ihr angedunkelter, mit Bondschem Charme orchestrierter Pop fällt allemal reizvoll aus. Kovacs gelingt ein durchaus hintergründiges Timbre, man möchte ihren Gesang hin und wieder an einer Shirley Bassey messen. Und vermutlich ist dieser Vergleich auch stimmiger, als wenn man sie zusammen mit Winehouse oder Duffy in einen Topf wirft. Weiterlesen »


Schüchtern, flügge und doch direkt – Mo Kenney

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Wenn man sich in diesen schnelllebigen Zeiten auf etwas verlassen kann, dann wohl auf das eherne Gesetz, dass die Uhren der Plattenfirmen noch immer mit beamtischer Ruhe ticken. So erscheint dieser Tage hierzulande das gleichnamige Debüt der kanadischen Singer-Songwriterin Mo Kenney, während in ihrer Heimat bereits der Countdown für ihren Zweitling In My Dreams läuft. Es hat also zwei Jahre gebraucht, bis das erste Album den Weg nach Europa gefunden hat. Dabei muss man sich nicht einmal die Ohren putzen, um das Talent der Kanadierin zu erlauschen. Sie vermag mit fröhlichem bis nachdenklichem Indie-Folk-Pop zu punkten und auch in Folk-Rock-Gefilde vorzustoßen. Die Platte wirkt angenehm schnörkellos instrumentiert, neben der prominenten Akustikgitarre sind gerade einmal Bass, Schlagzeug, E-Gitarre und Piano mit von der Partie. Ein weiterer gar nicht heimlicher Trumpf des Werks ist Kenneys Stimme, der das kanadische Magazin Exclaim! die Qualitäten einer Cat Power zugestanden hat. Darüber hinaus hat Exclaim! eine richtige Feststellung gemacht: “Kenney wears her coming-of-age trials as a badge of honour”. Und exakt diese Attitüde prägt über weite Strecken den Charme dieses Debüts!

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Auf steinigen Wegen hin zum Glück – Where Did Nora Go

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Der dramatische Moment einer Veränderung, die Phase tiefen Kummers, das selige, ewige Happy End. Es gibt viele Seelenzustände, über die sich Songwriter Gedanken machen, um sie in Musik zu kleiden. Das Album, über welches ich heute sprechen möchte, zeigt sich in manch Hinsicht recht unorthodox – und geht doch auf verschlungenen, steinigen Wegen einem glücklichen Ende entgegen. Im Vortrag und Sound scheint es irgendwo zwischen einer mit Rauchschwaden erfüllten Kaschemme und einer sanften Version von Alice im Wunderland angesiedelt. In den Lyrics dagegen spitzt die Platte Augenblicke der Erkenntnis und des Aufbruchs zu. Shimmer gerät zu einem Werk voll komplexer, wohlgestalter Ästhetik. Die unter dem Projektnamen Where Did Nora Go wirkende Dänin Astrid Nora hat mit ihrem zweiten Album ein ausgesprochen gediegenes Stück nordischer Singer-Songwriter-Kunst fabriziert. Shimmer kultiviert eine gegen den Strich gebürstete Kammermusik, kombiniert dies mit dezentem Ambient, entwickelt derart zwingende Emotion. Sehen wir uns das nun ein wenig genauer an.

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Ein Vergleich verbietet sich – Dry The River

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Ursprünglich wollte ich die folgenden Gedanken zu Alarms In The Heart, dem neuen Album der Londoner Formation Dry The River, unter das Motto “Die neuen Snow Patrol” stellen. Aber es wäre schlichtweg unfair, der Band die Last eines solchen Vergleichs aufzubürden. Denn Snow Patrol haben seit 10 Jahren großen kommerziellen Erfolg, sind der beste Beweis dafür, dass man im Mainstream Fuß fassen kann, ohne dabei in die Kacke zu treten. Dry The River dagegen stehen erst am Anfang einer Karriere. Und natürlich ist ihr Folk-Rock samt hymnischen Chamber-Pop-Anleihen nicht samt und sonders mit Snow Patrol vergleichbar. Doch beiden Bands ist ein Frontmann gemein, dessen sonore, helle Stimme über ungeahnte Dynamik und fragile Herzenswärme verfügt. Was Gary Lightbody für Snow Patrol ist in noch größerem Maß Peter Liddle für Dry The River. Liddle behält sich stets die Unschuld und das Staunen eines Chorknaben. Deshalb erscheint mir Alarms In The Heart auch dazu prädestiniert, viele Menschen zu durchdringen. Weil es so echt wirkt, das Herz rührt und bricht.

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Ein Herz, das zwickt und zwackt – Erland & The Carnival

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Ein Herz, das zwickt und zwackt. Dazu flausendes Grübeln im Kopf und ein mulmiges Gefühl in der Magengrube. Sophisticated Pop war noch selten kompliziert gefühliger. Der britischen Formation Erland & The Carnival ist so ein feines, feines Werk gelungen. Dabei hatte schon 2011 das Vorgängeralbum Nightingale für Entzücken gesorgt. Jene Platte vermochte psychedelischen Britpop und skurrile Folktronica zu kredenzen, weswegen ich Erland Cooper, Simon Tong und Konsorten als traurige Harlekine bezeichnete. Mit dem nun endlich veröffentlichten dritten Album Closing Time wurde der zuvor praktizierte Rock und die eingestreute groteske Note von einem kultivierten, leidenden Pop abgelöst. Coopers feierliche Stimme trägt meist eine Träne im Knopfloch – und das meine ich keinesfalls abschätzig. Dazu gesellt sich ein kammermusikalischer Sound, der die bekenntnishafte und eingeständnisreiche Würde des Werks unterstreicht.

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