Zwischentöne für Austarierte – Luluc

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Dieser Blog schätzt ja die leisen, fast selbstvergessenen Zwischentöne besonders. Deshalb komme ich nicht umhin, mal wieder eine angenehm gedankenverlorene Indie-Folk-Platte zu empfehlen. Das mir bis dato unbekannte australische Duo Luluc hat mit ihrem in sich gekehrten Zweitwerk Passerby ein wahres Kleinod geschaffen, welches der wunderbar weichen Stimme der Sängerin Zoë Randell einen beschaulich wie pittoresk ausgestalteten Sound zur Seite stellt, der bei näherer Betrachtung weit mehr als nur die obligatorische Gitarre aufzubieten hat. Zusammen mit ihrem Partner Steve Hassett und dem Produzenten Aaron Dessner, seines Zeichens Mitglied der umjubelten The National, vermag Randell Lieder zu kreieren, die der Realität einen träumerischen Moment und der Fantasie einen rationalen Augenblick abgewinnen. Der Erfahrungshorizont von Passerby kennt sowohl ein zartes jugendliches Sehnen als auch die Ernsthaftigkeit des Erwachsenenlebens, ohne dabei forsch oder bitter anzumuten.

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Unter der Taucherglocke – UMA

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Euphorie sieht wohl anders aus, wenn man einem Album die Attribute gedämpft, aufgeräumt und nüchtern zur Seite stellt. Dabei meine ich das keineswegs als Herabwürdigung, im Gegenteil. Der Electro-Pop des deutsch-österreichischen Duos UMA besticht durch formalen Minimalismus, der nie langweilig gerät. Das selbstbenannte Debüt wirkt wie unter einer Taucherglocke aufgenommen, schippert dumpf dahin. Dabei gibt es sich angenehm leidenschaftslos. Wo sich Electro-Pop oft zwischen auf Anspruch getrimmter Discomusik und sterilem Eskapismus bewegt, forcieren UMA einen gedeckten wie melodisch-warmen Sound, welcher meist versonnen aus den Boxen flirrt.

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Lauschrausch LVIII: “Weird Al” Yankovic

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Die Parodie ist eine Kunst- und Unterhaltungsform, an der sich zwar viele versuchen, doch nur wenigen großen Scherzkeksen ist diese Begabung wirklich in die Wiege gelegt. Zu eben jenen zählt seit Jahrzehnten Weird Al” Yankovic, der schon in den Achtzigern mit großartigen Musikvideos wie Fat zu begeistern wusste. Die Parodie auf Michael Jacksons Bad nahm die im Original fast verherrlichte Gang-Kultur ordentlich auf die Schippe. In den Neunzigern vermochte Smells Like Nirvana den damaligen Grunge-Hype auf brilliante Weise zu sezieren, auch dieser Clip genießt zweifelsohne Kultstatus. Yankovic verstand es stets, popkulturelle Paradigmen herauszuarbeiten oder Lieder völlig aus dem Bedeutungskontext zu reißen. Aus Coolios Gangsta’s Paradise wurde so Amish Paradise, das die Vorzüge des fortschrittsverweigernden Lebens der Amischen berappte. Ebenfalls köstlich fällt seine Antwort auf Green Days American Idiot aus. Canadian Idiot suhlt sich in Unmengen an kanadischen Klischees: “Well maple syrup and snow’s what they export/ They treat curling just like it’s a real sport” oder “Sure they got their national health care/ Cheaper meds, low crime rates and clean air/ Then again well they got Celine Dion“.

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Musik für die Ernüchterten – Sivert Høyem

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In der musikalischen Saure-Gurken-Zeit des Julis lohnt sich der Blick zurück auf das, was im Frühjahr und dem Vorsommer so erschienen ist. Darum will ich heute auf den norwegischen Singer-Songwriter Sivert Høyem hinweisen, dessen Ende Mai veröffentlichtes Werk Endless Love keinesfalls so flauschig ist, wie es der Titel vielleicht vermuten lässt. Im Gegenteil, in den besten Momenten führt Endless Love Klage, leidet am Leben, spuckt starke Gefühle aus. Høyems Vortrag tingelt zwischen einem larmoyanten Rock-Barden und dem vom Piano beseelten Singer-Songwriter, auch countryhaft-bluesiger Gesang fehlt nicht.

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Photo Credit: Morten Andersen

Schon mit dem Titelsong Endless Love scheint die Zielrichtung des Werks deutlich. Hier werden nicht die Geigen in den Himmel gehängt und ewige Liebe beschworen, vielmehr der Augenblick besungen, wenn die Liebe geht und die Gewohnheit bleibt. Die Flamme der Leidenschaft hat ausgeflackert (“That’s right, I swore you endless love/ Endless love is not enough/ Now there’s a sobering feeling/ Now there’s a saddening sight/ That cool look in the mirror/ As you dress up for the night“). In solch Abgesang manifestiert sich die Grundstimmung des Album, nämlich eine ostentative Unzufriedenheit. Weiterlesen »


Verklärtheit und Hauruckgloria – Phoria

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Vor ein paar Wochen schon habe ich auf die im englischen Brighton beheimatete Formation Phoria hingewiesen, den NME zitiert, welcher den Sound als “breathtaking blend of whisper-like vocals and euphoric electronics” gelobt hat. Nun wurde dieser Tage die EP Display veröffentlicht. Und das erscheint mir Grund genug, den Namen Phoria nochmals mit einem dicken Ausrufezeichen zu versehen.

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Denn diesem seligen, andächtigen, weichgezeichneten, fast schmusigen Murmeln und Raunen steht ein filigraner, angenehm zerhäckselter Sound gegenüber, der schon mal in hymnischer Trance vergeht. Eine soulig verbrämte, meditative Unauffälligkeit plustert sich bei manchen Tracks zu triumphierender Ekstase auf. Solch Electronica erlaubt sich Pop-Einsprengsel, die glitzern und glänzen. Es sind wohldurchdachte Höhepunkte, sie gleichen imposanten Bergrücken, welche über einer sonst ruhigen, von sanftem Flirren schraffierten Soundlandschaft schweben. Aus dieser schlaftrunkenen, von Tautropfen benetzten Unwirklichkeit tritt eine freundliche Unruhe, ein Kriechen und Krabbeln, ein Perlen und Schimmern hervor, ehe dann hohe Synthiewände ins Blickfeld wabern. Weiterlesen »


Ein eigenartiger Umgang mit dem Backkatalog – Holger Czukay

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Wenn Musiker und Bands eine Wiederveröffentlichung ihrer Alben von vor dreißig Jahren spendiert bekommen, oder oft auch selbst initiieren, dann wird in aller Regel mehr geklotzt denn gekleckert. Ein Remastering nach den Regeln der Kunst ist ohnehin eine Selbstverständlichkeit, dazu wird das Werk von einst meist mit Demoversionen, Livemitschnitten und unters Mischpult gefallenen Tracks aufgefettet. Mitunter macht all das Sinn, zumindest für die eingefleischtesten Fans. Umso erstaunter war ich, dass mit Der Osten Ist Rot_Rome Remains Rome dieser Tage eine Zusammenstellung erscheint, die zwei Alben Holger Czukays auf ein einziges eindampft. Welch eigenartiger Umgang mit dem Backkatalog eines großen Musikpioniers!

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Release Gestöber 56 (Malky, She Keeps Bees, Calypso Craze)

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Malky

Gegen intensiven Soul-Pop und retroesken R&B mit dem einen oder anderen an Moby erinnernden Einschlag ist wirklich nichts einzuwenden. Man würde das Duo Malky allerdings nicht unbedingt in Leipzig ansiedeln. Aber vielleicht muss ein alle Fettnäpfchen umgehender Soul gerade aus dem unvermutetsten Winkel kommen. Denn Soul und R&B sind dieser Tage vielfach glatt und trivial produziert, mit überkitschter Emotion und überkandideltem Geträller unterfüttert. Das Album Soon fällt dagegen angenehm tiefgründig aus, kennt keinerlei Effekthascherei. Wo besagte Genres gerne vor billigem Glitzerstein-Bling-Bling nur so funkeln und blinken, behängen Malky ihre Songs mit Samt und Seide. Soon gefällt als edle Platte, die der sanften, versunkenen Stimme Daniel Stoyanovs einen geschmeidigen Sound aus dezenten Streichern und Bläsern sowie eine warme Orgel und jeder Menge Motown-Seligkeit zur Seite stellt. Als ein Highlight des Werks kristallisiert sich der Titeltrack Soon heraus, der wie eingangs bereits erwähnt an introspektive, verträumtere Songs von Moby erinnert. Showdown wiederum verkehrt sich ins Gegenteil, überzeugt als rhythmisch starkes, schmissiges Lied, das im Refrain Feuer fängt. So sieht gediegene Radiofreundlichkeit aus. Das folgende Diamonds trägt eine ordentliche Portion soulige, balladeske Wehmut auf. Mit diesen drei Titeln stecken Malky ihr Metier ab. In der Folge ist es etwa das durchaus inbrünstig intonierte, im Eifer des Gefechts auch mal in ein schönes Krächzen verfallende Trouble, das zu imponieren weiß. Das schleppende, aus tiefster Seele glühende Babylon Tree beschert ebenso Gänsehaut. In Deutschland produzierter Soul hat mit wenigen Ausnahmen einen klebrigen Betroffenheitscharakter oder wirkt so billig, als wäre er für Casting-Shows ersonnen worden. Malky hingegen bescheren uns integre, stimmige wie gefinkelte Arrangements. Einmal mehr bei Beautiful Vacation, welches samt pulsierendem Beat in eine zärtliche Sehnsucht entschwebt. Spätestens mit diesem Song haben sich die Herren Stoyanov und Michael Vajna als stimmungsvolle Zauberer erwiesen. Wenn es mehr Alben wie Soon gäbe, würde ich auf meine Tage auch noch zum Soul-Fetischisten mutieren. Anhören und entdecken, unbedingt!

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Unsere Lieblingslieder 2014 – Ein Zwischenstand

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Wir haben uns auch dieses Jahr die Ohren wund gehört und so manch Lied hat sich als Balsam für die Gehörgänge entpuppt. Und was wir erst alles (noch) nicht erlauscht und erfühlt haben, weil gut Ding halt Weile braucht und die Zeit ohnehin verrinnt! Nun also zwanzig in loser Unordnung zusammengetragene Songs, die mich und die derzeit schweigsamere Co-Bloggerin in den letzten 6 Monaten bewegt haben.

Andreas DorauReden wir von mir

Begründung: Dorau liefert mit dem famosen Reden wir von mir eine großartige Parodie auf die gegenwärtige Selbstbezogenheit und bewahrt sich dabei eine Naivität, die man einfach knuddeln möchte. (Kurzrezension) [Album: Aus der Bibliothèque / 17.01.2014 / Bureau B]

Mikko JoensuuLand of Darkness

Begründung: Da ich momentan noch zu enthusiasmiert bin, überlasse ich die Einschätzung der werten Eva-Maria vom Polarblog, wo ich auch auf dieses wunderbare Lied gestoßen bin. Sie konstatiert: “Der Track ist ein feines, krautrockig ausuferndes Meditationsstück, dass den üpppigen 70er-Synthiewelten von Vangelis nahesteht. Aber Mikko Joensuu wäre nicht er selbst, wenn der Track nicht in eine Auseinandersetzung mit Glaubensfragen wäre und der liebe Gott mit kindlichem Vertrauen angerufen würde.” (Hörtipp) [EP: Land of Darkness / Lake of Fire / 07.03.2014 / Fullsteam]

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Wie Phönix aus der Asche – Strand of Oaks

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Wenn ich die Biografie Timothy Showalters richtig deute, hat er unter dem Projektnamen Strand of Oaks bereits so manche in den Genres Folk und Americana beheimatete Platten veröffentlicht. Und dann kam eine persönliche Lebenskrise, eine Phase der Unzufriedenheit. Das Schreiben von Songs geriet zur Ka­thar­sis, an deren Ende nun die Veröffentlichung eines sinnigerweise HEAL benannten Werks steht. Dieses offenbart sich als Vintage-Rock-Album, das in vielerlei Hinsicht an das vor wenigen Monaten veröffentlichte, famose Lost In The Dream von The War On Drugs erinnert. Beide Platten sind bei verschwisterten Labels (Dead Oceans und Secretly Canadian) erschienen, das jedoch mag Zufall sein. HEAL stellt sich als kraftvolle musikalische Neuorientierung dar, welche von Stadion-Rock bis hin zu balladeskem Rock reicht. Mal dominiert ein kerniger, urtümlicher Gitarrensound, dann wieder Synthies samt Flair der Achtziger. Der Pressetext fasst die Chose folgerichtig so zusammen: “HEAL is a bold new beginning, with a thrilling full-tilt sound that draws on Showalter’s love of ’70s, ’80s and ’90s rock and pop, with the singer and guitarist playing the intense valedictory confessor.”

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Photo Credit: Dusdin Condren

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Lauschrausch LVII: My Brightest Diamond

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I feel the weight of a billion years/ Come down on me come down/ I tried to do it all right I went down down down/ Workin’ hard little delight I forgot the sound of/ Diamonds” sind die Zeilen eines Refrains, den ich schon jetzt als einen der besten des Jahres bezeichnen möchte. Der Song Pressure gibt sich so erlesen, mitreißend und hintergründig. Dieser Pop lodert in der einen Sekunde, brennt sogleich ein Feuerwerk an Percussion ab, nur um kurz danach in der unergründlichen Farbe Indigo zu schimmern. Das gestaltet sich derart edel und facettenreich, dass mir sofort der Name Feist durch die Gehirngänge spukt. Und tatsächlich scheint die unter dem Projektnamen My Brightest Diamond wirkende US-Singer-Songwriterin Shara Worden mit dem für September angekündigten Album This Is My Hand endgültig auf dem besten Wege, in die oberste Liga experimenteller Liedermacherin aufzusteigen. Pressure nach zu urteilen, ist ein famoses Werk im Anmarsch! (Der geschätzte Bloggerkollege Nicorola sieht dies übrigens ähnlich.)

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