Kein Bärendienst
Wenn mehr oder weniger musikalische Minderleister Cover-Versionen genialer Hits in die Welt rausröhren, mündet dies gern in kakophonischen Katastrophen. Ab und an jedoch rettet die funkelnde Song-Perle das Unterfangen, übertüncht die Qualität des Songs das mediokre Talent des Interpreten. Oder auch nicht. Scooter beschallen mit ihren Sounds seit Jahren die Dancefloors, liefern den Soundtrack für trunkene, hemmungslos verblödete Partygänger. Dass die Techno-Bande nun ein Werk der Übergötter deutschen Sprechgesangs verhunzen darf – und dies auch noch hochoffiziell und mit dem zynischen Siegel “Tribut” getarnt, wirft ein bezeichnendes Licht auf die soeben als Würdigung gedachte Doppel-CD mit dem Titel A Tribute to Die Fantastischen Vier.

Xavier Naidoo überzeugt...
Wenn man sich Hinz und Kunz ins Haus holt und selbige ein Lied der Fanta 4 nachträllern lässt, sind Kollateralschäden einkalkuliert. Dass die Sangeskünste von Mario Barth eine sofortige Reanimation nötig machen und so Julis ehrenwerte Homage unter den Tisch fällt, scheint zum Zwecke der Profitmaximierung fast gewollt. Und wenn Herr Barth auch bei dieser Gelegenheit einmal mehr herrlich unwitzig seine Freundin durch den Kakao zieht, sorgt das wiederum dafür, dass die Milch im Kakao in einer Geste der Selbstverstümmelung sauer wird.

Max Mutzke ebenfalls...
36 Acts sind dem Ruf des Fanta-4-Managers Andreas “Bär” Läsker gefolgt und bekunden mit oft unzureichenden Mitteln ihre Zuneigung. Das kann teils in unfreiwilliger Komik münden, in schlichte Ärgernisse – aber auch erstklassige Ergebnisse zeitigen. Sobald Xavier Naidoo Krieger anstimmt, trennt sich die Spreu vom Weizen, wird mit Ernsthaftigkeit etwas Gutes vollbracht. Die aufgesetzte Lässigkeit vieler Künstler verrät, dass manchen jedoch der Arsch auf Grundeis gegangen ist. Und so versuchte man auf witzig zu trimmen, was sich nicht für platte Kalauer eignet. Das sollten sich PUR mal ins Stammbuch schreiben. Max Mutzke hingegen deutet mit Seriosität und Inbrunst an, wie ein handfester Gewinner dieses Tribut-Albums aussieht. Massive Töne freilich dürfen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass es keine Timbaland-Samples braucht, um an einem Fanta-4-Denkmal herumzustochern. Sogar der gern gelobte Clueso mit einer viel zu routinierten 08/15-Interpretation von Hoffnung versagt. Für die gewollt ordentliche Portion Trash-Faktor sorgt Thomas Anders – in dieser Hinsicht eine verlässliche Konstante.

Herr Barth hingegen gibt dem Album den Gnadenschuss!
Würdigungen können mit künstlerischem Anspruch dahereiern, augenzwinkernd erschallen oder eben mit viel Tamtam der Götze Mammon ein schnödes Opfer feilbieten. Der Mastermind der Compilation, Bär Läsker, konnte sich allem Anschein nach für keine Variante entscheiden. Trotzdem ziert nun sein Konterfei oben kurz angerissenes Kuddelmuddel. Seinen Schützlingen hat er damit keinen Bärendienst erwiesen.

Bange Frage: Kündigen ihm die Fanta 4 nun die Freundschaft?
Dennoch lohnt sich ein ein Durchzappen durch das Album, eine Handvoll Perlen warten und liefern triftige Gründe dafür, weshalb Mp3-Downloads einzelner Songs die wirkliche Errungenschaft der letzten Dekade darstellen.
Link:
MySpace-Auftritt mit Hörproben
SomeVapourTrails

Als ich die Überschrift las, dachte ich sofort an einen schlechten Scherz. Aber scheint ja wohl leider real zu sein. Nun ja, man MUSS es ja nicht kaufen. Und genau das werde ich tun: Nicht kaufen. Wenn Herr Naidoo als überzeugendes PRO hervorgestellt werden muss und ein Herr Barth auf der Silberscheibe auch mit knödelt, dann kommt mir nur ein Satz in den Sinn: “Nein danke, ich habe schon.”
Vielen Dank für die Warnung/ Rezension.
also meines wissens nach bedeutet jmd. einen Bärendienst erweisen: jemandem einen Dienst zu leisten, dessen Resultat für den Empfänger negative Folgen hat. demnach hat bär den fanta 4 doch einen bärendienst erwiesen, wenn ich eure rezi so lese, aber ist ja auch schwer so mit den redensarten
Hm… ich DifferentStars sehe die Deutung der Redensart genauso… allerdings ist der werte SomeVapourTrails Österreicherl, da ist so manches anders
“Du machst mich ganz wuschig” hat mal in unseren Breiten eine eindeutig eindeutige Bedeutung… in Österreich heisst das mehr so “nervös”.
Andererseits sind auf dem Sampler ja auch ein paar gute Songs, dann jedoch fragten auch wir uns, ob die Fanta4 ein Vetorecht hatten oder die Rechte komplett ans Label abgegeben haben und keine Wahl hatten…
ah, ok.
stimme eurer einschätzung im übrigen natürlich auch zu
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Lie In The Sound
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