Ohne Tatü-Tata, vielmehr extraordinär – I Might Be Wrong
Klartexten wir mit flottem Gekritzel des Kulis: Eine in Berlin werkende Band spuckt Indie-Töne, die keine nervöse Angestrengtheit, aber auch nicht das Brackwasser des Charts-Erfolgs gurgeln. Fünf junge Leute legen sich ins Zeug, machen nichts falsch und haben mit Sängerin Lisa von Billerbeck auch einen stimmlichen und burschikos bildlichen Blickfang im Talon. Dass die Truppe englischen Texten huldigt, führt nie zu inhaltsarmem Rumgedruckse oder Leerlauf. Diese Aspekte zusammen lassen I Might Be Wrong spätestens beim zweiten Wimpernschlag zu einer musikalischen Wuchtbrumme werden und unendlich viel Sympathiepunkte hamstern. Das soeben erschienene Album Circle The Yes ist verdammt solide und mit Liebe zum Detail gestaltet. Zur aus Begeisterung aufgeführten La-Ola-Welle fehlen eigentlich meist nur die sich dem Hirnlappen ekstatisch paarenden Refrains, die blindes Wiedererkennen erlauben.

Oft muss mit viel Tatü-Tata der Ambulanzwagen andüsen, weil gängiger Indie-Pop den Hörer vor Langeweile ins Koma purzelt lässt. Lautstärke allein löst die Misere nicht. Und Retro-Anklänge beschleunigen den Exitus nur. I Might Be Wrong hingegen lullen keineswegs ein, obgleich ein angenehmes Understatement Regie führt und mit jugendlicher Wichtigkeit ausgeführte pathetische Gesten fehlen. Die Mischung aus Gitarren und gelegentlichem Keyboard-Schwerpunkt verhindert eindimensionales Geschrammel. Der Opener Woodpecker ist in seiner Instrumentierung bewährt, es wurde nicht einmal die Speiche eines Rads neu erfunden, dennoch funktioniert der Song mit jedem Durchlauf besser. A Penny For Your Thoughts definiert die Stärke der CD gut. Obwohl nie weltbewegende Riffs oder atemberaubende Melodien auftauchen, ist verdammt viel Abwechslung mit kleinen Effekten garantiert. Hantelt sich Lisa von Billerbeck mit einer seltenen Dosis aus verhaltenem Engagement durch und wirkt verzückende Wunder, obwohl ihre Stimmbänder eigentlich eher nur zu durchschnittlicher Akrobatik geeignet scheinen. Das gewisse Etwas im Vortrag haftet der werten Dame an. Auch die erste Auskoppelung Salomon stapft mit nie ins Brachiale ausartender Energie hervor, sortiert sich in die Kategorie kurzweiligsten, immer wieder hörbaren Gitarren-Pops ein. Und die subtil-desperaten Nuancen auf It Takes Two To Tango mit dem Mantra “I wish we’d already done this, I wish we were through” driften in gehaltvolles, zumutbares, trotzig dargereichtes Songwriting ab, welches internationales Format nicht nur vom Hörensagen kennt. Auch das flockige Novel Rave, dessen schunkelige Melodie in intensiven Gitarren aufgeht, schmeckt nach sprödem Charme, der erst nach und nach ein lockendes Blinzeln aus dem Köcher packt.

Foto von Fabian Möhrke
Wenn man an I Might Be Wrong eine typisch deutsche Eigenart herausdestillieren will, dann neige ich zur Disziplin mit der Circle The Yes eine tiefstaplerische Wucht über die gesamte Länge durchhält. Eben jene Diszipliniertheit macht die Scheibe entdeckungsreich, weil kein Pathos die feinen Schattierungen übertüncht. Was Andreas Bonkowski (Bass), Florian Frenzel (Gitarre), Ann Schönwald (Keyboards) und Wolfgang Schneider (Drums) zusammen mit der extraordinären von Billerbeck aushecken, gehört mit zum Vielversprechendsten, was die Hauptstadt auf Lager hat.
Die Single Doppel-Single Salomon & À Propos ist am 11. September erschienen, Circle The Yes am 23. September bei Sinnbus.
I Might Be Wrong – Circle The Yes from Sinnbus Bln on Vimeo.
Link:
MySpace-Auftritt mit Hörproben
SomeVapourTrails

Vielschön entdeckt und noch vielschöner beschriebtextet!
Cooler Tipp, Danke!
FeinFein…ich hoffe mal das ich es morgen schaffe sie mir zu besorgen.
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Lie In The Sound
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