Die großen Nullen – 50 starke Alben der Dekade
Heute wollen wir 50 Alben der zu Ende gehenden Dekade vorstellen, die uns auf unterschiedliche Weise stark beeindruckt haben. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig. Manch Platte bedeutete den Durchbruch einer Band oder eines Musikers, andere Scheiben markierten eine musikalische Neugeburt oder offerierten ein bravouröse Alterswerk. Einige CDs verkauften sich wie warme Semmeln, viele fristen bis heute als veritable Nischenmusik ihr Dasein. Der gemeinsame Nenner der aufgeführten Alben ist jedoch ein absoluter Mangel an Beliebigkeit. Sie haben meine werte Co-Bloggerin DifferentStars und mich gefesselt, Herz oder Hirn betört, im besten Fall beides.
Hier nun unsere Favoriten in alphabetischer Reihenfolge:
16 Horsepower – Folklore (2002)
Alternative Country klang selten besser. Von erdiger Beseeltheit.
2Raumwohnung – Kommt zusammen (2001)
Smarter Pop aus deutschen Gefilden.
Air – 10,000 Hz Legend (2001)
Electro-Melancholie, muss man mögen.
Add N To (X) – Add Insult to Injury (2000)
Feiner Lärm und schräg-poppiges Electro-Gemetzel.
Ali Farka Touré & Toumani Diabaté – In the Heart of the Moon (2005)
Zwei Koryphäen der Weltmusik bestricken mit einem ungemein entspannten Sound.
Amy Winehouse – Back to Black (2006)
Die Geburt einer Soul-Diva.
A Silver Mt. Zion – He Has Left Us Alone But Shafts of Light Sometimes Grace the Corners of Our Rooms (2000)
Melodisch verschlugener, überirdischer Post-Rock. Das Genre-Album der Dekade.
Björk – Selmasongs (2000)
Eindringlich, weniger artifiziell als andere Werke Björks.
Bonobo – Animal Magic (2001)
Verspielter Downtempo mit vielen Twists, von einem absoluten Könner kredenzt.
Coldplay – A Rush of Blood to the Head (2002)
Sie klangen damals noch verdammt gut. Heute sind die Herren nur noch eine Lachnummer.
Death in Vegas – Scorpio Rising (2003)
Abwechslungsreich. Ob rockig oder psychodelisch-abgehoben, für jeden Gaumen findet sich hier etwas.
Dirty Three – Whatever You Love, You Are (2000)
Instrumentaler Rock mit Gänsehaut-Flair. Ausladend und schwelgerisch.
Doves – Kingdom of Rust (2009)
Ein ungemein vielschichtiges Werk einer unterschätzten Band.
Eamon McGrath – 13 Songs of Whiskey and Light (2009)
Folk-Rock-Songwriting mit Authentizität und emotionalster Energie.
Echo & the Bunnymen – Siberia (2005)
Das beste Album der Briten seit 20 Jahren.
Eels – Hombre Lobo: 12 Songs of Desire (2009)
Verlangen wurde kaum schonungsloser und ehrlicher seziert. Eine Sternstunde.
Explosions in the Sky – The Earth Is Not a Cold Dead Place (2003)
Filigraner Post-Rock, der das Herz anrührt.
Four Tet – Rounds (2003)
Eine selten gehörte, träumerische Melodik wohnt diesem Electronica-Werk inne.
Gisbert zu Knyphausen – Gisbert zu Knyphausen (2008)
Ein deutscher Liedermacher, wie es ihn dringendst gebraucht hat.
Great Lake Swimmers – Lost Channels (2009)
Wer folkige Reinheit sucht, kommt an der Platte nicht vorbei.
Hope Sandoval & the Warm Inventions – Through The Devil Softly (2009)
Was für ein Lebenszeichen nach 8 Jahren Absenz. Die Hohepriesterin der Verträumung klang selten besser.
Isobel Campbell – Milkwhite Sheets (2006)
Eine gelungene Referenz an die britische Folk-Tradition. Schlicht und prägnant.
Johnny Cash – American IV: The Man Comes Around (2002)
Der schillernde Höhepunkt einer an Highlights reichen Karriere. Ein Vermächtnis für die Ewigkeit.
Kasabian – Kasabian (2004)
Britischer Rock mit Ausrufezeichen. Tolles Debüt.
Kid Koala – Some of My Best Friends Are DJs (2003)
Turntablism kann noch immer aufregend klingen.
Ladytron – Light & Magic (2002)
Bester Electro-Pop. Viva la Synthies!
Madonna – American Life (2003)
Der größte kommerzielle Flop Madonnas. Aber eine der stärksten Scheiben.
Manic Street Preachers – Journal for Plague Lovers (2009)
Ein phantastisches, zerbrechliches Singer-Songwriter-Werk im Gewand eines Rockalbums.
Moby – 18 (2002)
Nicht so gut wie Play, aber dennoch berückend.
Múm – Yesterday Was Dramatic – Today Is OK (2000)
Kindliche Stimmen führen einen elfenhaften Electronica-Tanz auf.
Nick Cave and The Bad Seeds – No More Shall We Part (2001)
Die nachdenklich-schöne Fortführung von The Boatman’s Call.
Nina Nastasia – Run To Ruin (2003)
Packend und nie anstregend, eine der besten Platten einer Singer-Songwriterin.
Oasis – Standing on the Shoulder of Giants (2000)
Zu Unrecht gescholten.
Peter Fox – Stadtaffe (2008)
Was für ein Lebensgefühl, geprägt von Authentizität.
Philip Glass – The Hours (2002)
Nur ein weiterer Soundtrack des größten lebenden klassischen Komponisten.
PJ Harvey – Stories from the City, Stories from the Sea (2000)
Kraftvoll, lyrisch, von seltener Energie.
Placebo – Sleeping with Ghosts (2003)
Noch besser als das grandiose Black Market Music.
Portishead – Third (2008)
Das Comeback des Jahrzehnts.
Radiohead – Kid A (2000)
Der verstörende Soundtrack zu einer beängstigenden Dekade.
Richard Ashcroft – Alone with Everybody (2000)
Ashcrofts warme Stimme paart sich mit gelungenen Pop-Songs.
Robbie Williams – Escapology (2002)
Musik für die Massen. Und dabei dennoch klasse.
Sigur Rós – Takk… (2005)
Einfach nur eine weitere Glanztat der Isländer.
Stuart A. Staples – Lucky Dog Recordings 03-04 (2005)
Der tiefstimmige Troubadour der Tindersticks wandelt auf atmosphärisch dichten Solopfaden.
Sun Kil Moon – Tiny Cities (2005)
Aus dem genialen Schaffen Mark Kozeleks das zugänglichste Werk. Pflicht.
The Cinematic Orchestra – Every Day (2002)
Jazz und Electronica ergeben eine fantasievolle, locker vom Hocker anzuhörende Scheibe.
The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble – The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble (2006)
Experimentell-eingängige Mischung aus Post-Rock und jazzigen Elementen, mit viel Liebe zum Detail. Gleichberechtigt steht auch das Album Here Be Dragons von (2009) in dieser Auswahl.
Thomas D – Lektionen in Demut (2001)
Eine düstere, pathetische Sprechgesangplatte.
Tom Waits – Real Gone (2004)
Ein derb-rührendes Alterswerk von epochaler Größe.
Trespassers William – Different Stars (2002)
Das Dream-Pop-Album der Dekade.
Wir sind Helden – Die Reklamation (2003)
Ein richtungsweisender, textlicher starker Impuls für die gesamte Republik.
SomeVapourTrails


Hallo am Vormorgen des Jahrzehntewechsels!
Sehr schöne differenzierte Liste mit aufblitzenden Einblicken in eure musikalischen Leidenschaften… Kann ich fast alles unterschreiben, wobei ich mich mit deutschen Helden und Friseuren und Stadtaffen eher etwas schwer tue. Ab das mag an meiner langsam schrumpfenden Großhirnrinde liegen…
Ich wünsche euch ein erfolgreiches und glückliches neues Jahrzehnt und, Chris, nicht Kreuzfahrer bist du, sondern Jason, der Argonaut! Hisse die Segel und leite die Argos (griechisch für: Lie in the Sound) in das neue Jahrzehnt, trotze den Fährnissen der Reise und finde das goldene Vlies. Du hast immerhin 52 virtuelle Kameraden, allesamt Helden inklusive Orpheus (da war doch was mit Stimmen bei euch…), mit an Bord! Wobei ich bitte nicht als einer der stymphalischen Vögel eingeordnet werden will und der Vergleich spätestens bei Medea deutlich zu hinken beginnt.
Gruß
Benediktos
Orpheus schreckt noch davor zurück in Pandoras geöffnete Box zu blicken… Immerhin, die Seifenopern der Götter gelten heute als Hohe Kultur.
Dir hübschen Vogel wünsche ich ein wundervolles Neues Jahr und schwärm schön mit den Möwen.
DifferentStars
Da ist ja nix von The Cure dabei?
The Cure??? Geh weg… fand ich schon immer eher nervig, aber ich fürchte der werte Herr SomeVapourTrails hat sie entweder vergessen oder dann doch des Platzes wegen für eine meiner Mainstream-Pop-Geschichten geopfert
DifferentStars
peter hat recht, “bloodflowers” von the cure muss da eigentlich dabei sein
ansonsten stimme ich bei einigen statements voll zu (madonna, radiohead, etc), bei anderen verstehe ich die welt nicht mehr: robbie williams, oasis, manic street preachers?? das sind jeweils die “falschen” alben!!
frohes neues jahr euch beiden!
Meine ersten beiden Platten – damals natürlich noch Vinyl – waren The Cure (Japanese Whispers) und Springsteens Nebraska. Ich war und bin also seit über 20 Jahren ein Fan von The Cure. Aber so wichtig und genial sie in den Achtzigern und frühen Neunzigern waren, für die letzte Dekade traf dies nicht zu. Vor allem nicht für 4:13 Dream, eher schon für Bloodflowers. Bei Oasis stimme ich dir eigentlich zu, ich fand Heathen Chemistry auch stärker, aber da habe ich halt auch mal auf meine Sternenfee gehört. Und zu den Manic Street Preachers: War nie ein Fan von denen, im Gegensatz zu meiner besseren Hälfte, und fand sie erst mit Journal For Plague Lovers wirklich interessant.
Sag uns die Meinung!
Lie In The Sound
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