Schäferstündchen mit dem weiblichen Seelenleben – Alin Coen Band
“Und wenn du dann gehst/ Schau ich dir nach/ Schau wie das Ende verdreht/ Was der Anfang versprach” höre ich sie singen. Für solch Zeilen gibt es von mir gern ein Bienchen ins Heft. Mit wenig Worten viel Bedeutung zu vermitteln, das ist in einer geschwätzigen Zeit nicht gering zu schätzen. Wenn bereits das Eröffnungslied Erwartungshaltungen übertrifft, höre ich genauer hin. Man lässt sich ja gerne positiv überraschen. Die Rede ist – das sollte vornweg doch auch erwähnt werden – von der Alin Coen Band, die am 27.08. dem Hörer ein Wer bist du? ins Ohr flüstert.
Nun bin ich mir einigermaßen im Klaren, wer ich bin. Aber wer verbirgt sich hinter der Alin Coen Band? Als Namenspatin fungiert die Singer-Songwriterin Alin Coen, eine Weltenbummlerin mit deutsch-mexikanischen Wurzeln. Dazu gesellen sich noch Jan Frisch an der Gitarre, Philipp Martin (Bass) sowie Schlagzeuger Fabian Stevens. Das Quartett positioniert sich irgendwo zwischen sanftem Pop, folkiger Attitüde und jazzigen Nuancen, frech formulierender dürfte man auch den Begriff Easy Listening ins Spiel bringen. Die Lieder werden auf Deutsch und Englisch vorgetragen.
Der Charme dieses Werks liegt speziell in zwei Faktoren zementiert. Zunächst darf ich Frau Coen zu einem stimmlichen Ausdruck gratulieren, der zärtlich, sensibel und intim den Hörer für sich einnimmt. Dazu gesellen sich – besonders die deutschen – Texte, welche unprätentiös das weibliche Seelenleben prägnant und tiefsinnig auf der Zunge tragen. Es wäre vermessen, das als Alleinstellungsmerkmal hervorzuheben. Aber die schön gestalten Lyrics merzen doch den sich ab und an aufdrängenden Eindruck aus, dass zumindest die Hälfte der Melodien zwar Gefälligkeit beweisen, aber grundsätzlich ohne besondere Kniffe dahinvegetieren. Sie mögen eine vertrauliche Atmosphäre befördern, verantworten gleichwohl einen einlullenden Effekt. Dazu treten die Instrumente ab und an derart zartbesaitet auf, dass man sie fast überhört.
Ich will mich jedoch nicht auf eine miesepetrige Sichtweise zurückziehen. Wägt man Schwächen und Stärken in mehren Hördurchläufen ab, wirken die Argumente der Wertschätzung eindeutig schwerer. Ich war hier ist ein erfrischend resolutes Stück, dem es an nichts mangelt. Festhalten besticht als Ballade, die den leidigen Zwiespalt behandelt, wenn man selbst nicht sicher weiß, ob man jemanden liebt oder schlicht nur mag. Jenes Tête-à-tête mit den Ausbuchtung der weiblichen Seele erweist sich auch auf dem Titellied Wer bist du? als differenziert genug, um nicht in patenten Selbstfindungsvereinfachungen zu vergehen – oder gar kryptische Emotionsfetzen als neuesten Schick zu verkaufen. Dem geschätzten Leser schwant wohl bereits, dass ich der ausbalancierten Textlichkeit erlegen bin, mich bereits die eingangs zitierten Zeilen aus Wolken ans Gängelband der Geneigtheit nahmen. Von den in englischer Sprache verabreichten Songs erfreuen mich Halo, welches wirklich in bester amerikanischer Singer-Songwriter-Manier dargeboten wird, oder etwa das leicht schlurfende, die jazzige Note betonende Darts.
Alin Coen Band – Ich War Hier Live
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All die gelisteten Aspekte ergeben einen wahrlich anständigen Gesamteindruck. Die Alin Coen Band mag sich noch nicht auf dem Zenit des Könnens bewegen, doch darf ich das von dem Debüt Wer bist du? auch gar nicht erwarten. “Dieses sind dann wohl die letzten Zeilen/ Die ich an dich richte/ Dieses letzte Lied soll bei dir weilen/ Bis ich ein neues dichte” steht stellvertretend für eine reimerische Einfachheit, die jedoch keinesfalls in Banalität verfällt. Sehr ansprechend!
Konzerttermine:
27.08.10 Hamburg – Lausch Lounge
28.08.10 Hamburg – Inas Nacht (Alin Coen Solo)
31.08.10 Leipzig – naTo
02.09.10 Chemnitz – Weltecho
05.09.10 Ulm – CAT
06.09.10 Tübingen – Voltaire
07.09.10 Stuttgart – merlin
08.09.10 Freiburg – Jos Fritz Cafe
09.09.10 Karlsruhe – Kohi
11.09.10 Stuttgart – Cafe Galao
14.09.10 Frankfurt/Main – Ponyhof
15.09.10 Wetzlar – Cafe Vinyl
16.09.10 Bonn – Klangstation
17.09.10 Aachen – Raststätte
18.09.10 Marburg – Havanna 8
21.09.10 Gera – Haus der Pioniere
27.09.10 Berlin – Privat Club
28.09.10 Hamburg – Prinzenbar
29.09.10 Köln – BLUE SHELL
30.09.10 München – 59:1
15.10.10 Halle – Riff-Club
16.10.10 Weimar – Kasseturm
18.10.10 Jena – Cafe Wagner
Links:
Frank von pretty-paracetamol kommt bei seiner Review zu einem abweichenden Urteil
SomeVapourTrails



[...] kann geholfen werde und so darf Brigitte von Lie In The Sound mit einem fundierten Review aus weiblichen Sicht [...]
[...] Fräulein-Gesang, diesmal von der Alin Coen Band, deren neue Platte Wer bist du? von mir bereits hier als absolut ansprechend beurteilt [...]
Alin Coen ist eine ganz besondere Songwriterin. Sie lässt mitfühlen und verstehen, zeigt auf und nimmt einen an die Hand. Einen Bericht über sie und eines ihrer Konzerte habe ich auf http://www.schule-der-rockgitarre.de/de/magazin/200 geschrieben. Schaut doch mal rein und sagt mir, wie ihr ihn findet.
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Lie In The Sound
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