Lie In The Sound

Stippvisite 03/04/12 (Man begegnet sich immer zweimal)

Unlängst hat der Kollege Tom von der der blogpartei darüber sinniert, was was das Musikbloggen schwieriger gemacht hat. Das ist, wie er richtig erkannt hat, ein Zusammenspiel unterschiedlichster Faktoren. Zunächst erstickt der Hobby-Blogger in einer Fülle von Promo-E-Mails, die gefühlt alle 20 Minuten das nächste große Ding an Mann und Frau bringen wollen. Alles scheint immer sofort meilensteinig. Band oder Platte oder Clip, die Welt scheint danach zu lechzen. Ob Promotion und Demut tatsächlich gut harmonieren, das sei dahingestellt, aber in der Aufregung wird alles rausposaunt, irgendwer dürfte wohl hellhörig werden. Eine Devise, die den aus niederen Beweggründen wie Jux und Tollerei bloggenden Zeitgenossen schlichtweg überfordert. So fällt auch Musik durch den Rost, die eigentlich höchste Aufmerksamkeit verdient hätte. Doch nicht nur die Massen an Mails setzen dem Blogger zu, auch die Heerscharen an Kollegen vergrößern sich minütlich. Das Bloggen über Musik ist wie Herpes, es wird per Mundpropaganda weitergegeben. Aber nicht jeden küsst die Muße, viele schnattern Pressetexte nach. Und das wiederum führt dazu, dass dem Leser in der Gesamtheit der Musikbloglandschaft dann doch kein durchgängig seriöses Alternativangebot zu Magazinen gemacht wird. Schade, denn an guten Musikblogs mangelt es eigentlich nicht.

Selbstfindungstipp:

Manchmal ist es ja durchaus spannend zu erlauschen, wie eine junge Formation sich abstrampelt, um zu ihrem eigenen Sound zu finden. Die aus Kalifornien stammende Band mit dem schlichten Namen NO müht sich auf ihrer EP Don’t Worry, You’ll Be Here Forever redlich, eingängigen und somit sehr, sehr radiotauglichen Indie-Rock anzubieten. Doch obwohl die 6 Titel durch die Bank ansprechend sind, bleibt ein Eindruck von Stückwerk haften. Weil NO eben immer anderen Vorbildern nacheifern. Der letzte Track der EP gibt schließlich den entscheidenden Fingerzeig. Stay With Me erinnert an The Magnetic Fields, erscheint das beste Resultat der Selbstfindung. Ein toller Titel, welcher Lust auf mehr macht! Die EP ist derzeit gegen Bekanntgabe einer E-Mail-Adresse kostenlos erhältlich. (via nicorola)

 

Albumtipp:

Einer guten Band oder einem starken Album begegnet man nach meiner These immer zweimal. Als mir Eva-Maria vom Polarblog dieser Tage die Band Ravens & Chimes empfahl und ich selbige sogleich offenen Ohrs umarmte, durchsuchte ich anschließend mein stets überquellendes Postfach, ob mich wirklich keine Promofirma über das neue Album Holiday Life in Kenntnis gesetzt hatte. Und tatsächlich fand ich eine Monate alte, ungelesene E-Mail, die von einer Tour der Formation im März kündete. Tja, soviele Mails, wer soll sie lesen? Alle halbe Ewigkeiten lösche ich dann radikal, mache Platz für neue Nachrichten, die ich wieder nur zum einen verschwindend kleinen Teil zu erfassen vermag. Die New Yorker Ravens & Chimes haben es jedenfalls doch noch in meine Wahrnehmung geschafft. Zurecht, denn von der magischen Stimme des Sängers Asher Lack lässt man sich gern bestricken. Ich meine, Tracks wie Carousel, Past Lives oder Division Street versüßen in ihrer pastellfarbenen Schönheit einfach den Tag. Bleibt zu hoffen, dass das am 03.04.12 in Amerika erscheinende Album auch einen Deutschland-Release spendiert bekommt.

Islandtipp:

Auch zu dieser Band habe ich drei Promo-Mails erhalten, ehe ich dann bei Coast Is Clear erneut über die isländische Gruppe Lockerbie gestolpert bin. Wir neigen ja dazu, alles was von der Insel kommt, entweder in den Kategorien von Sigur Rós oder Björk zu verorten. Tatsächlich sind die mir bekannten Tracks des Albums Ólgusjór von aufgeräumter Beschwingtheit, quasi auf Pop getrimmte Sigur Rós für wohlfühlig veranlagte Gemüter. Sowohl Í Draumi als auch Laut stellen liedhafte Beweise dar, dass das unerschöpfliche Reservoir famoser isländischer Künstler alles nur keine billige Klischeevorstellung ist. Lockerbie sollte für sich entdecken, wer die Zeit bis zur Veröffentlichung von Valtari, des neuen Werks aus der Schmiede von Sigur Rós, zu überbrücken trachtet.  Ólgusjór ist am 09.03.12 auf Kapitän Platte auch in hiesigen Gefilden erschienen.

Durchstarttipp:

Wenn ich die Bekanntheit einer soeben entdeckten Band einzuschätzen versuche, habe ich mich in der Vergangenheit meist auf die Anzahl der Scrobbels auf last.fm verlassen. Mittlerweile vermitteln mir die Likes auf den Facebook-Seiten von Bands einen guten Eindruck. Im Falle der Empires aus Chicago staunte ich doch ein wenig, dass die Formation auf über 1,4 Millionen gescrobbelte Titel auf last.fm kommt. Auch wenn die Auswertung von Facebook dagegen verblasst, finde ich dennoch zum Ergebnis, dass man die Band ruhig kennen könnte. Die derzeit gratis erhältliche EP Can’t Steal Your Heart Away erlaubt einen Vorgeschmack auf das in wenigen Monaten erscheinde Album Garage Hymns. Die Lieder sind in Indie-Rock mit griffiger Grunge-Attitüde gehalten. Ich würde mich nicht wundern, wenn Empires mit ihrem anstehenden Platte ordentlich durchstarten. An der nötigen Wucht mangelt es jedenfalls nicht, auch an den rockballadesken Charme des Songs Homewrecked könnte man sich gewöhnen. (via Muruch)

Hiermit beende ich die heutige Stippvisite. Doch bereits am Wochenende wird es eine weitere Rundschau geben.

SomeVapourTrails

1 Pingbacks & Trackbacks on Stippvisite 03/04/12 (Man begegnet sich immer zweimal)

  1. NO – “Big Waves” | nicorola
    17. April 2012 um 11:56

    […] With Me” der Kalifornier NO. Zusammen mit dem Hinweis auf die dazugehörige kostenlose EP. In seiner Stippvisite schrieb Christoph von Lie In The Sound: Doch obwohl die 6 Titel durch die Bank ansprechend sind, […]

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