Ätherisch-mausgraue Trance voll Unglück – Lyla Foy

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Es gibt so Tage, an denen sich eine junge Frau alle Illusionen abschminkt, an denen die Widerwärtigkeiten des Alltags im Minutentakt auf sie niederprasseln. Wenn in aller Frühe schon die Kaffeemaschine den Geist aufgibt, sie auf dem Weg zur Arbeit wegen irgendeines dahergelaufenen Selbstmörders ewig in einem muffigen U-Bahn-Waggon feststeckt, in der Arbeit vom schmierigen Chef mit Anzüglichkeiten überhäuft und dabei nur so durchs Büro gescheucht wird, weil die Kollegen allesamt krankfeiern, sie am Ende eines üblen Tages schließlich in die leere Wohnung kommt und den geliebten, schon drei Tage abgängigen Kater sehr vermisst. Es gibt so Tage, in denen Frau dem Sein mit Siebenmeilenstiefeln entfliehen möchte. Und wenn Frau stimmliches Talent besitzt, klingt das im Idealfall dann so ätherisch-mausgrau, geschunden-zärtlich, entrückt-leidend wie bei der Londoner Singer-Songwriterin Lyla Foy. Sie träumt sich auf ihrem Debüt Mirrors The Sky in eine sanfte Trance voll Unglück.

Lyla Foy Artist Photo Photo Credit: Veanne Tsui

Photo Credit: Veanne Tsui

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Echo der Hundstage – Dråpe

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Wenn der Herbst in nebligen Untiefen und Trübsinnigkeit versinkt, dann schlägt die Stunde, in der die Genres Shoegaze und Dream-Pop besondere Wirkung entfalten. Denn diese schwer abzugrenden Musikrichtungen sind in ihrer Leidenschaftlichkeit stets ein probates Gegenmittel gegen überbordende Tristesse gewesen. Die norwegische Formation Dråpe hat sich mit ihrem Album Canicular Days ganz und gar den Hundstagen verschrieben. Und tatsächlich wirft ein Song wie Blue Skies ein Echo aus den vermeintlich strahlenden Tagen des Sommers zurück. Die Sängerin Hanne Solem Olsen spielt auf der Klaviatur der Betrübtheit (“Close my eyes pretend you’re really here/ I know you’re not, I just gotta get through this day“), während Bass und Gitarre geradezu trotzigen, hellen Optimismus versprühen. Verklärung und Pein, wie sie Pop zu leisten imstande sind, wird von einer Portion Post-Rock-Wildheit flankiert, daraus resultiert eine besonders edle Shoegaze-Hymne. Dem Album liegt ein gewisser Erlebniswunsch in der Seele, es beschwört den vergangenen Sommer – und das was hätte sein können – inbrünstig. Memories ist ein weiteres, im Sound eingängiges Highlight der Platte. Hike wiederum wechselt zwischen Spurt und gebremster Fahrt, kramt in den Aufregungen der Erinnerung. Berg und Tal, immer wieder. All die Ausflüge in die Abenteuerlust einer Jugendlichkeit, in ein leidenschaftlich lärmiges Fühlen, lassen Canicular Days hell strahlen. Wie die flirrende Gitarren-Grandezza auf I Wanted You To Stay eine Sehnsucht nach und nach verblassen lässt, sorgt einmal mehr für die bestens drapierte Wolke am lichtdurchfluteten Firmament.

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Chronologie eines Wunders – Mazzy Star

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Man ist ja sehr schnell Fan von diesem und jenem Kram, oder quasi mit einem Fingerschnippen Experte für Gott und die Welt. Ich lasse da gern Vorsicht walten, schon aus der Vermutung heraus, dass es immer irgendwo jemanden gibt, der sich zumindest ein klein bisschen besser auskennt als ich, vielleicht auch mehr liebt und fühlt als ich. Es wird Menschen geben, die mehr über meinen Lieblingsautor Hermann Hesse zu sagen und seine Gedichte häufiger gelesen haben. Fraglos finden sich auch Kenner, welche das Werk meines Lieblingsregisseurs Atom Egoyan noch besser verinnerlichen konnten. Und auch wenn ich für hiesige Verhältnisse verdammt viel über American Football weiß, huldigen hierzulande genügend Menschen diesem Sport mit noch mehr Haut und Haar huldigen. Und ebenso bin ich davon überzeugt, dass ich mit meinen 11 Springsteen-Alben im Regal jedem eingefleischten Fan bestenfalls ein nachsichtiges Lächeln abzutrotzen vermag. Im Falle der US-amerikanischen Dream-Pop-Band Mazzy Star sieht die Sache jedoch anders aus. Hier fühle ich mich zum absoluten Kenner und Anhänger berufen. Weil mich Mazzy Star bereits 20 Jahre begleiten, weil ich ihr Schaffen sogar im Schlaf von A bis Z runterrattern könnte, weil ich allein deshalb mit dieser Musik emotional verbunden bin, da ich durch sie meine Liebste kennengelernt habe.

Dennoch sind mir Mazzy Star stets ein Mysterium geblieben. Die Formation hatte in den Neunzigern binnen sechs Jahren drei Alben veröffentlicht. Seit 1996 herrschte freilich Schweigen im Walde, ohne ersichtlichen Grund. Mazzy Star bestanden im Kern aus dem Duo David Roback (Gitarre) und Hope Sandoval (Gesang). Letztere hat seit damals zwei Alben unter dem Namen Hope Sandoval & The Warm Inventions veröffentlicht. Doch gerade diese wunderschönen Platten verstärkten die Irritation, provozierten die Frage nach einem Comeback von Mazzy Star. Denn rein gar nichts deutete darauf hin, dass sich Roback und Sandoval nicht grün wären. Und jedes verstrichene Jahr ließ die nicht gerade kleine Fanschar immer mehr zweifeln, ob sie je die Früchte einer erneuten Zusammenarbeit kosten dürften. Nun ist Hope Sandoval sicherlich kein geselliger Charakter. Gegen sie gleicht das Reh im Scheinwerferlicht einer Rampensau. Wer sie bei einem der raren Konzerte anlässlich ihrer Tour zu dem 2009 erschienenen Through The Devil Softly erleben durfte, sah eine dämmrige Bühne und eine schemenhafte, vom Publikum oftmals abgewandte Sängerin. Bereits zu dieser Zeit bestätigte sie Gerüchte, wonach Mazzy Star endlich an einem vierten Album arbeiteten. Doch hatte man ähnliches auch schon Jahre zuvor gehört. Man war gut beraten, sich nicht zu euphorischer Vorfreude hinreißen zu lassen. Danach kehrte – wenig überraschend – wieder Ruhe ein. Auch Roback blieb seit Mitte der Neunziger sehr unauffällig, gerade so als wäre er in einem Zeugenschutzprogramm, zumindest aber in einem Trappistenkloster.

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Neues Mazzy Star Album “Seasons Of Your Day” erscheint im September 2013 / California jetzt im Stream

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Zur ausführlichen Besprechung von Seasons Of Your Day geht es hier.

Mazzy Star – California

Es mag einige Wenige unter euch geben, die uns damals – vor fünf Jahren – schon bei den ersten Baby-Trippelschrittchen in die Bloggerwelt begleitet haben. Unseren allerersten Blogposts widmete ich einer nicht nur für uns, aber im speziellen sehr für uns besonderen Künstlerin: Hope Sandoval. Ohne sie – ohne Mazzy Star – wären wir uns wahrscheinlich nie begegnet. Sehr verliebt und überschwenglich schrieb ich anno 2008, der Antike der Internet-”Neuzeit”, ein paar Worte über Wilde Rosen.

Sehr zu unserem Entzücken erschien 2009 das langerwartete Hope Sandoval Soloalbum Through The Devil Softly und im persönlichen Interview mit der Lieblingssängerin bekamen wir das Versprechen, dass bald ein neues Mazzy Star Album folgen werde. Bald, dies ist im Mazzy Star-Universum sehr sehr sehr…. sehr relativ. So landete die Platte bei Stereogum als eines der The 50+ Most Anticipated Albums Of 2012. In der 2013er Liste wurde dann vorsichtshalber darauf verzichtet, weiterhin das Comeback sehnlich zu erwarten. Aber immerhin, ein kurzes Lebenszeichen gab es zwischen durch. Ende 2011 veröffentlichte das Dream Pop-Duo die beiden Tracks Common Burn / Lay Myself Down auf dem eigens gegründeten Label Rhymes Of An Hour Records. Inzwischen wurde mit Rough Trade ein im Indiebereich renommierter Vertriebspartner gefunden. Am 27.09.2013, dies leider nicht in Stein gemeißelt, aber immerhin schon in den Newsletter getippt, wird das neue Werk das Licht der Welt erblicken. Aufgenommen wurde “Seasons Of Your Day” von der Urbesetzung von Mazzy Star, als Gäste dabei waren Colm O’Ciosoig (My Bloody Valentine/ Hope Sandoval and the Warm Inventions) und der 2011 verstorbene Bert Jansch mit einer seiner letzten Aufnahmen. Seit dem Vorgängeralbum Among My Swan ist somit ein ganzes Teenager-Leben, sage und schreibe, 17 Jahre vergangen. Mit California dürfen wir heute schon einen ersten Track vom Album hören.

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Lauschrausch XIII: Dråpe

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Heute möchte ich dem werten Leser die norwegische Dream-Pop-/Shoegaze-Band Dråpe ans Herz legen. Ihre jüngst erschienen Single Blue Skies, Vorbote eines hoffentlich bald erscheinenden Debütalbums, schwebt fluffig in den Orbit, träumt sich in die Höhe. Der Song bezaubert durch ätherische Leichtigkeit, gepaart mit shoegaziger Gitarrenherrlichkeit. Eine Nuance verspielter, von fröhlicher Rasanz geprägt klingt By Heart von der 2011 veröffentlichten selbstbetitelten EP. Bereits diese zwei Lieder überzeugen mich voll und ganz. Dråpe sirren und simmen, bescheren klangliche Wonnen, klingen wie ein vor Sonne strotzender Frühlingstag. Welch musikalischer Glücksfall, perfekt für einen Lauschrausch!

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Lauschrausch XI: Elephant

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Ich hätte tatsächlich schwören können, dass ich dem Londoner Duo Elephant in der Vergangenheit bereits die eine oder andere Zeile gewidmet habe. Doch scheint mich meine Erinnerung zu täuschen. Da trifft es sich hervorragend, dass Amelia Rivas und Christian Pinchbeck im März eine neue Single namens Skyscraper (auf Vinyl und als digitaler Download via Memphis Industries) veröffentlichen. Solch aktueller Anlass soll diesmal nicht verstreichen. Dieser Song ist allerliebst, dabei durchaus mit einem gewissen Quäntchen Exzentrik gewürzt. Der Track hat einen melodischen 50er-Jahre-Touch, kombiniert mit der schwebenden Luftigkeit von Dream-Pop. Als Sahnehäubchen entpuppt sich die verführerische, schwärmerische Stimme von Rivas. Keine Frage, dieserlei Klänge führen zu einem ausgiebigen Lauschrausch!

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Lauschrausch X: Shana Falana

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Als Dream-Pop-Fetischist, der ein ausgefallenes Element stets zu schätzen weiß, kann ich mein Wohlwollen gegenüber der EP In The Light nicht verhehlen. Shana Falana gelingt mit diesen 6 Liedern ein Spagat zwischen ätherischer Shoegazigkeit und charmant quirligem Achtziger-Pop. Das hypnotische Dizzy Chant, welches seinem Namen alle Ehre macht, lässt repetitiven Gesang langsam hochköcheln, um schließlich in beschwörerischem Zauber zu münden. In zeitloser Schönheit hallt das wundersam melodische, sacht rasselnde Mantra Light The Fire durch die Boxen, während sich der getragene Track Tragic mit dunkler Kühle umwölkt, nur um am Höhepunkt in eine pathetische Hysterie zu verfallen. Der Titelsong In The Light erinnert in seiner retroesken Unschuld an die goldene Zeiten zärtlicher Verspieltheit, zeigt jedoch auch das Temperament beseelter Fiebrigkeit. Insgesamt besticht diese EP in jeder Hinsicht als Glücksfall, allein schon der gesangliche Vortrag begeistert. Ein ausgiebiger Lauschrausch ist somit garantiert!

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Free Mp3: Ormonde – Angels We Have Heard On High

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Nicht jeder Indie-Track, der sich dem Thema Weihnachten verschreibt, wird von uns gleich mit Weihrauch, Myrrhe oder Gold überhäuft. Warum sollte ein den Gesetzen von K. & K. unterliegendes, also mit Kitsch und Kommerz behaftetes Fest gerade im Indie-Bereich seine Unschuld wiederfinden? Auch Musik abseits des Mainstreams schreckt nicht vor Hässlichkeit und geschmacklichen Tiefschlägen zurück. Die feiertägliche Zusammenstellung des amerikanischen Label Hometapes bietet unter dem Titel The Never Ending Beginning einige Lieder und Interpretation, die eher einer Weihnachtsverweigerung gleichkommen. Es ist mitunter ein misstönender Abgesang auf die vermeintlich schönste Zeit des Jahres. Wie ein Licht im Dunklen erstrahlt daher der Track Angels We Have Heard On High. Solch psychedelischer Dream-Pop bringt mir Weihnachten tatsächlich ein Stück näher. Es ist kein Zufall, dass der weibliche Teil des Duos Ormonde eine alte Bekannte ist, Anna-Lynne Williams nämlich. Ob mit ihrer früheren Band Trespassers William oder solo als Lotte Kestner werkend, die Künstlerin hat eine dieser Stimmen, die den Himmel in die Gehörgänge zaubern. Und wann, wenn nicht jetzt, will man sich so wunderbar engelsgleich beschallen lassen? Wer mit lebkuchenbekrümelten Mund nach der Integrität von Weihnachten lechzt, wird bei Angels We Heard On High fündig.

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Som­nam­bule Seelenlandschaftsgärtnerinnen – Azure Ray

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Das Duo Azure Ray ist trotz einer zwischenzeitlichen Schaffenspause zweifelsohne eine der Indie-Formationen der vergangenen Dekade mit ausgesprochener Reputation. Fixe Größe in einem neben dem Mainstream dahinvegetierenden Paralleluniversum. Azure Ray sorgen für feminine Musik ohne Blümchen und rosa Schleife im Haar. Was Maria Taylor und Orenda Fink in der Vergangenheit veranstalteten, lässt sich als verträumter Pop mit herrlich zartem Gesang beschreiben. Auch das jüngste Minialbum As Above So Below schlägt in diese Kerbe, diesmal von einem kühlen bis fröstelnden elektronischen Sound umwölbt, über den die Stimmen mit schlafwandlerischer Anmut vor einem nächtlichen Firmament tänzeln. Diese sechs Stücke fassende EP sorgt für das eine oder andere niederprasselnde Sternschnüppchen.

As Above So Below besteht aus somnambuler Seelenlandschaftsgärtnerei. Azure Ray steigen in die Tiefen des Gemüts hinab, hegen und pflegen die gebrechlichen wie willensstarken Knospen der Emotion in einer nicht eben sonnenerfüllten Umgebung. “There’s love everywhere/ There’s sadness everywhere/ So I keep moving” lautet die Botschaft des Tracks Scattered Like Leaves, dessen Wärme Funken in die Düsterheit zündet. Es ist der Song der Platte, der im fahlen Halbdunkel am besten erblüht, Farbtupfer inmitten kultivierter Schemen. Das anschließende Red Balloon hingegen lässt sich zwar voll und ganz in die Arme der Liebe fallen,  doch verliert sich aller Glimmer im Zwielicht. Denn die gespenstisch wabbernden, geräuschigen elektronischen Flächen des Albums sorgen mitunter für eine Eisigkeit, welche auch das anmutigste Geträller nicht zum Schmelzen bringt. Beim monddurchleuchteten Unannounced freilich tauen die Sinne, es wirkt als getragener Moment, dessen intime Sehnsucht einen dieser Meteoritenschauer darstellt. Auch das letzte Lied des Werks, We Could Wake nämlich, spaziert durch einen kalten, verwunschenen Sound, reckt und streckt sich trotziger Erlösung entgegen (“Are you a merciful soldier?/ Now you’ve looked me in the eye/ Are you going to let me die?”). Hier wird im Sediment der Seele herumgestochert, Traurigkeit geschürft.

Azure Ray zählen zu der Sorte Bands, die dazu prädestiniert scheinen, Sentimente großer Schwermut und unendlichen Sehnens in gesangliche Watte zu packen. Sie graben sich tief in die Abgründe weiblichen Fühlens. Maria Taylor und Orenda Fink waren in all dem nie besser. As Above So Below erfährt durch seinen elektronischen Fokus eine geradezu eisbergige Dichte, zugleich eine sich zum Sternenhimmel aufspannende Weite. Daraus erwächst ein Minialbum der feinen, oftmals Zauber versprühenden Sorte! Der kultivierte Hörer staunt.

Scattered Like Leaves ist gegen Angabe einer E-Mail-Adresse als kostenloser Download verfügbar.

As Above So Below ist am 07.09.2012 auf Affairs Of The Heart erschienen.

Link:

Offizielle Homepage

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Ab­ra­ka­da­b­ra mit einer Handvoll i-Tüpfelchen – Mint Julep

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Zu manchem Album sind der Worte genug gedrechselt. Save Your Season, das neueste Werk des in Portland (Oregon) ansässigen Ehepaars Hollie und Keith Kenniff, verträgt durchaus noch das eine oder andere wohlsortierte Satzgebilde. Das als Mint Julep firmierende Duo ertüftelt mit dieser Platte einen sehr elektronischen Dream-Pop, dessen Melodien unschwerfällig und bis zu einem gewissen Grad leider unauffällig erschallen. Obschon nichts in Lieblichkeit erstickt, wirken viele Songs wie nett drapierter Tand, der den eigentlich Star des Albums zu schmücken trachtet. Hollie Kenniffs Stimme ist das Vehikel, welches Save Your Season in sphärische Schönheit katapultiert. Die Süße des Gesangs, der es nicht bei einem Säuseln belässt, adelt die Scheibe, zündet das Entzücken.

Man verstehe mich nicht falsch, der Vortrag ist nicht in klebriges Bonbonpapier gewickelt. Die Helle und Klarheit dieser Stimme wirkt wie tänzelnder Lichtschein, der den oft düster-gedämpften, durchaus auch mal in die Achtziger schielenden Grundton des Werks illuminiert. Das im Refrain ohnehin vom Schlagzeug vorangetriebene, lebendige Days Gone By etwa gewinnt sein i-Tüpfelchen durch die sireneske Intonation, welche auf dem verzerrten Retro-Sound dahinsurft. In solch Augenblicken sind Mint Julep nahe an der Art von Perfektion angelangt, die dem Paar für dies Album wohl vorschwebte. Why Don’t We allerdings lebt eine Drögheit aus, die nur durch besagten Gesang gemildert wird. Zwischen diesen Polen driftet das Werk hin und her, anmutig und unentschieden zugleich. Dem sacht schlurfenden Charme von Stay scheint kein Kraut gewachsen, so schleppt sich das Duo tief und tiefer in die Gehörwindungen derer, die ihr tägliches Ratiönchen Dream-Pop nie und nimmer missen wollen. Derart tönt ein die Sinne becircendes Ab­ra­ka­da­b­ra. Das gilt mit Einschränkungen auch für den dank klar konturierten Synthies robuster gebauten Titelsong Save Your Season oder dem rockigen, knalligen Cherry Radio. Bei solch Tracks entscheidet nicht Hollie Kenniffs Vortrag über Gedeih und Verderb – oder scheitert gar an der Gleichförmigkeit der Musik.

Dem Werk, das will ich nochmals unterstreichen, mangelt es an einer über einzelne Lieder hinausreichenden Inspiration. Save Your Season kennt viel Monotonie, trotz phantastischer Passagen. Mint Julep müssen sich an Tracks wie Aviary, Days Gone By oder eben Stay messen lassen, deshalb ringt mir das Album in seiner Gesamtheit die eine oder andere Enttäuschung ab. Dem Funken sprühenden Glanz einer Handvoll Lieder steht auch ein Schatten gegenüber, den nur der feine Gesang ein bisschen durchbricht. Da hilft dem Hörer leider auch keine Taschenlampe.

Save Your Season ist am 20.01.2012 auf Village Green erschienen.

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