Lauschrausch XIII: Dråpe

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Heute möchte ich dem werten Leser die norwegische Dream-Pop-/Shoegaze-Band Dråpe ans Herz legen. Ihre jüngst erschienen Single Blue Skies, Vorbote eines hoffentlich bald erscheinenden Debütalbums, schwebt fluffig in den Orbit, träumt sich in die Höhe. Der Song bezaubert durch ätherische Leichtigkeit, gepaart mit shoegaziger Gitarrenherrlichkeit. Eine Nuance verspielter, von fröhlicher Rasanz geprägt klingt By Heart von der 2011 veröffentlichten selbstbetitelten EP. Bereits diese zwei Lieder überzeugen mich voll und ganz. Dråpe sirren und simmen, bescheren klangliche Wonnen, klingen wie ein vor Sonne strotzender Frühlingstag. Welch musikalischer Glücksfall, perfekt für einen Lauschrausch!

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Lauschrausch XI: Elephant

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Ich hätte tatsächlich schwören können, dass ich dem Londoner Duo Elephant in der Vergangenheit bereits die eine oder andere Zeile gewidmet habe. Doch scheint mich meine Erinnerung zu täuschen. Da trifft es sich hervorragend, dass Amelia Rivas und Christian Pinchbeck im März eine neue Single namens Skyscraper (auf Vinyl und als digitaler Download via Memphis Industries) veröffentlichen. Solch aktueller Anlass soll diesmal nicht verstreichen. Dieser Song ist allerliebst, dabei durchaus mit einem gewissen Quäntchen Exzentrik gewürzt. Der Track hat einen melodischen 50er-Jahre-Touch, kombiniert mit der schwebenden Luftigkeit von Dream-Pop. Als Sahnehäubchen entpuppt sich die verführerische, schwärmerische Stimme von Rivas. Keine Frage, dieserlei Klänge führen zu einem ausgiebigen Lauschrausch!

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Lauschrausch X: Shana Falana

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Als Dream-Pop-Fetischist, der ein ausgefallenes Element stets zu schätzen weiß, kann ich mein Wohlwollen gegenüber der EP In The Light nicht verhehlen. Shana Falana gelingt mit diesen 6 Liedern ein Spagat zwischen ätherischer Shoegazigkeit und charmant quirligem Achtziger-Pop. Das hypnotische Dizzy Chant, welches seinem Namen alle Ehre macht, lässt repetitiven Gesang langsam hochköcheln, um schließlich in beschwörerischem Zauber zu münden. In zeitloser Schönheit hallt das wundersam melodische, sacht rasselnde Mantra Light The Fire durch die Boxen, während sich der getragene Track Tragic mit dunkler Kühle umwölkt, nur um am Höhepunkt in eine pathetische Hysterie zu verfallen. Der Titelsong In The Light erinnert in seiner retroesken Unschuld an die goldene Zeiten zärtlicher Verspieltheit, zeigt jedoch auch das Temperament beseelter Fiebrigkeit. Insgesamt besticht diese EP in jeder Hinsicht als Glücksfall, allein schon der gesangliche Vortrag begeistert. Ein ausgiebiger Lauschrausch ist somit garantiert!

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Free Mp3: Ormonde – Angels We Have Heard On High

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Nicht jeder Indie-Track, der sich dem Thema Weihnachten verschreibt, wird von uns gleich mit Weihrauch, Myrrhe oder Gold überhäuft. Warum sollte ein den Gesetzen von K. & K. unterliegendes, also mit Kitsch und Kommerz behaftetes Fest gerade im Indie-Bereich seine Unschuld wiederfinden? Auch Musik abseits des Mainstreams schreckt nicht vor Hässlichkeit und geschmacklichen Tiefschlägen zurück. Die feiertägliche Zusammenstellung des amerikanischen Label Hometapes bietet unter dem Titel The Never Ending Beginning einige Lieder und Interpretation, die eher einer Weihnachtsverweigerung gleichkommen. Es ist mitunter ein misstönender Abgesang auf die vermeintlich schönste Zeit des Jahres. Wie ein Licht im Dunklen erstrahlt daher der Track Angels We Have Heard On High. Solch psychedelischer Dream-Pop bringt mir Weihnachten tatsächlich ein Stück näher. Es ist kein Zufall, dass der weibliche Teil des Duos Ormonde eine alte Bekannte ist, Anna-Lynne Williams nämlich. Ob mit ihrer früheren Band Trespassers William oder solo als Lotte Kestner werkend, die Künstlerin hat eine dieser Stimmen, die den Himmel in die Gehörgänge zaubern. Und wann, wenn nicht jetzt, will man sich so wunderbar engelsgleich beschallen lassen? Wer mit lebkuchenbekrümelten Mund nach der Integrität von Weihnachten lechzt, wird bei Angels We Heard On High fündig.

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Som­nam­bule Seelenlandschaftsgärtnerinnen – Azure Ray

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Das Duo Azure Ray ist trotz einer zwischenzeitlichen Schaffenspause zweifelsohne eine der Indie-Formationen der vergangenen Dekade mit ausgesprochener Reputation. Fixe Größe in einem neben dem Mainstream dahinvegetierenden Paralleluniversum. Azure Ray sorgen für feminine Musik ohne Blümchen und rosa Schleife im Haar. Was Maria Taylor und Orenda Fink in der Vergangenheit veranstalteten, lässt sich als verträumter Pop mit herrlich zartem Gesang beschreiben. Auch das jüngste Minialbum As Above So Below schlägt in diese Kerbe, diesmal von einem kühlen bis fröstelnden elektronischen Sound umwölbt, über den die Stimmen mit schlafwandlerischer Anmut vor einem nächtlichen Firmament tänzeln. Diese sechs Stücke fassende EP sorgt für das eine oder andere niederprasselnde Sternschnüppchen.

As Above So Below besteht aus somnambuler Seelenlandschaftsgärtnerei. Azure Ray steigen in die Tiefen des Gemüts hinab, hegen und pflegen die gebrechlichen wie willensstarken Knospen der Emotion in einer nicht eben sonnenerfüllten Umgebung. “There’s love everywhere/ There’s sadness everywhere/ So I keep moving” lautet die Botschaft des Tracks Scattered Like Leaves, dessen Wärme Funken in die Düsterheit zündet. Es ist der Song der Platte, der im fahlen Halbdunkel am besten erblüht, Farbtupfer inmitten kultivierter Schemen. Das anschließende Red Balloon hingegen lässt sich zwar voll und ganz in die Arme der Liebe fallen,  doch verliert sich aller Glimmer im Zwielicht. Denn die gespenstisch wabbernden, geräuschigen elektronischen Flächen des Albums sorgen mitunter für eine Eisigkeit, welche auch das anmutigste Geträller nicht zum Schmelzen bringt. Beim monddurchleuchteten Unannounced freilich tauen die Sinne, es wirkt als getragener Moment, dessen intime Sehnsucht einen dieser Meteoritenschauer darstellt. Auch das letzte Lied des Werks, We Could Wake nämlich, spaziert durch einen kalten, verwunschenen Sound, reckt und streckt sich trotziger Erlösung entgegen (“Are you a merciful soldier?/ Now you’ve looked me in the eye/ Are you going to let me die?”). Hier wird im Sediment der Seele herumgestochert, Traurigkeit geschürft.

Azure Ray zählen zu der Sorte Bands, die dazu prädestiniert scheinen, Sentimente großer Schwermut und unendlichen Sehnens in gesangliche Watte zu packen. Sie graben sich tief in die Abgründe weiblichen Fühlens. Maria Taylor und Orenda Fink waren in all dem nie besser. As Above So Below erfährt durch seinen elektronischen Fokus eine geradezu eisbergige Dichte, zugleich eine sich zum Sternenhimmel aufspannende Weite. Daraus erwächst ein Minialbum der feinen, oftmals Zauber versprühenden Sorte! Der kultivierte Hörer staunt.

Scattered Like Leaves ist gegen Angabe einer E-Mail-Adresse als kostenloser Download verfügbar.

As Above So Below ist am 07.09.2012 auf Affairs Of The Heart erschienen.

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Ab­ra­ka­da­b­ra mit einer Handvoll i-Tüpfelchen – Mint Julep

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Zu manchem Album sind der Worte genug gedrechselt. Save Your Season, das neueste Werk des in Portland (Oregon) ansässigen Ehepaars Hollie und Keith Kenniff, verträgt durchaus noch das eine oder andere wohlsortierte Satzgebilde. Das als Mint Julep firmierende Duo ertüftelt mit dieser Platte einen sehr elektronischen Dream-Pop, dessen Melodien unschwerfällig und bis zu einem gewissen Grad leider unauffällig erschallen. Obschon nichts in Lieblichkeit erstickt, wirken viele Songs wie nett drapierter Tand, der den eigentlich Star des Albums zu schmücken trachtet. Hollie Kenniffs Stimme ist das Vehikel, welches Save Your Season in sphärische Schönheit katapultiert. Die Süße des Gesangs, der es nicht bei einem Säuseln belässt, adelt die Scheibe, zündet das Entzücken.

Man verstehe mich nicht falsch, der Vortrag ist nicht in klebriges Bonbonpapier gewickelt. Die Helle und Klarheit dieser Stimme wirkt wie tänzelnder Lichtschein, der den oft düster-gedämpften, durchaus auch mal in die Achtziger schielenden Grundton des Werks illuminiert. Das im Refrain ohnehin vom Schlagzeug vorangetriebene, lebendige Days Gone By etwa gewinnt sein i-Tüpfelchen durch die sireneske Intonation, welche auf dem verzerrten Retro-Sound dahinsurft. In solch Augenblicken sind Mint Julep nahe an der Art von Perfektion angelangt, die dem Paar für dies Album wohl vorschwebte. Why Don’t We allerdings lebt eine Drögheit aus, die nur durch besagten Gesang gemildert wird. Zwischen diesen Polen driftet das Werk hin und her, anmutig und unentschieden zugleich. Dem sacht schlurfenden Charme von Stay scheint kein Kraut gewachsen, so schleppt sich das Duo tief und tiefer in die Gehörwindungen derer, die ihr tägliches Ratiönchen Dream-Pop nie und nimmer missen wollen. Derart tönt ein die Sinne becircendes Ab­ra­ka­da­b­ra. Das gilt mit Einschränkungen auch für den dank klar konturierten Synthies robuster gebauten Titelsong Save Your Season oder dem rockigen, knalligen Cherry Radio. Bei solch Tracks entscheidet nicht Hollie Kenniffs Vortrag über Gedeih und Verderb – oder scheitert gar an der Gleichförmigkeit der Musik.

Dem Werk, das will ich nochmals unterstreichen, mangelt es an einer über einzelne Lieder hinausreichenden Inspiration. Save Your Season kennt viel Monotonie, trotz phantastischer Passagen. Mint Julep müssen sich an Tracks wie Aviary, Days Gone By oder eben Stay messen lassen, deshalb ringt mir das Album in seiner Gesamtheit die eine oder andere Enttäuschung ab. Dem Funken sprühenden Glanz einer Handvoll Lieder steht auch ein Schatten gegenüber, den nur der feine Gesang ein bisschen durchbricht. Da hilft dem Hörer leider auch keine Taschenlampe.

Save Your Season ist am 20.01.2012 auf Village Green erschienen.

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Leuchtfeuer des Dream Pop – Das Comeback von Mazzy Star

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Einer nie verflossenen Jugendliebe beim Altern zuzusehen, das ist schon schwer genug. Aus keckem Auftreffen haben sich Marotten herausgebildet, die Lebenserfahrung hat den einstigen Liebreiz abgeschmirgelt und sonnige Zukunftsperspektiven sind längst zum Schnee von gestern zerschmolzen. Noch schlimmer freilich fällt ein unerwartetes Wiedersehen nach all den Jahren aus, wenn das im Gehirn verhaftete Bild ewiger Jugend plötzlich in ein Meer von Falten blickt. Als ich dieser Tage davon erfuhr, dass sich Mazzy Star am 31.10.11 mit zwei Liedern aus ihrer 15 Jahre währenden Schaffenspause zurückmelden würden, mischte sich ein Grübeln unter all die Freude. Denn wenngleich Sängerin Hope Sandoval in der Zwischenzeit zwei wunderbare Alben veröffentlicht hat, damit unterstrich, dass sie von ihrem Zauber nichts verloren hat, darf von einer neuerlichen Zusammenarbeit mit David Roback doch nicht weniger als ein durch die dunkelste Nacht weit über die Lande strahlendes Leuchtfeuer des Dream Pop erhofft werden.

Die drei Alben von Mazzy Star haben mich nun bereits gut 20 Jahre musikalisch durch sämtliche Lebenslagen begleitet. Sie sind ein seit Teenager-Tagen gehüteter Schatz größter Schönheit, der jedes Jahr weitere Verklärung erfährt. Unter dem Aspekt muss jedes neues Werk unter dem Gewicht der Erwartungshaltung zwangsläufig ächzen, selbst wenn man vor lauter Dankbarkeit für Vergangenes gar keine Erwartungshaltungen anlegen möchte. Und doch bleibt ein bisschen Sorge, dass die Grazie vergangener Tage von der Gegenwart eingeholt wird. Wenn nun Ende Oktober die beiden Lieder Common Burn und Lay Myself Down einen ersten Vorgeschmack auf ein für Frühjahr 2012 avisiertes Album liefern, sehe ich freilich meinem Wunsch entsprochen, dass all die Jahre lediglich sanfte Spuren in der Musik hinterlassen haben. Wenn kommendes Jahr die gesamte Platte den Grundton von Lay Myself Down einhält, sind all meine Hoffnungen ohne Wenn und Aber erfüllt.

Common Burn / Lay Myself Down erscheint am 31.10.11 als digitaler Download auf Rhymes Of An Hour Records.

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Stream von Lay Myself Down auf Pitchfork

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Ein in den Briefkasten gekullertes Kleinod – Francesca Lago

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Wir bekommen viel Musik ins Postfach gejubelt und werden oftmals vom Eindruck übermannt, dass zu viele Säue vor uns Perlen geworfen werden. Doch manchmal sieht man sich auch einem Glücksschweinchen gegenüber, mehr noch: einer eierlegenden Wollmilchsau, welche mit musikalischen Trüffeln um sich wirft. Das Album Siberian Dream Map jedenfalls gesellt sich in die recht überschaubare Liste der veritablen Glücksfälle, die sich ungebeten in meinen Briefkasten verirrten. Die Singer-Songwriterin Francesca Lago besticht mit durchwegs robustem, ab und an auch verträumt gefühlsechtem Dream-Pop – und charismalastigem Gesang.

Der famose, sirenesk-ohrwürmige Auftakt On My Way Back From The Moon zählt zu charmantesten Liedern, die 2011 bislang in meine Ohren gespült hat. Nicht zuletzt aufgrund des Refrains im Vintage-Stil. Als weiteres Highlight sei das ungemein kraftvolle, unverschämt knappe Kleinod Treasure The 5th nicht unerwähnt. Lago bringt auf den gut 34 Minuten verdammt viel Dynamik in Gang, pritschelt nicht nur im üblichen Meer aus E-Gitarre, Bass und Drums herum, tunkt ihr Werk häufig in die dunkle Eleganz eines Cellos. Still Before The Spell erfüllt mich ebenso mit großem Wohlwollen wie der nervöse Rhythmus von Slapstick, dem rausten Stück dieser abwechslungsreichen wie konsistenten Platte.

Finde weitere Künstler wie Francesca bei Myspace Musik

Francesca Lago verkrümelt sich nie im Schneckenhaus der eigenen Emotion, frickelt nicht mit aufgesetzter Leidensmiene an übertrieben hyperfragilen Gefühlsregungen herum, gibt ihren Songs eine Geradlinigkeit, die sich zugleich Tiefgründigkeit bewahrt (Bad Dream). Was man Lago besonders positiv anlasten möchte, ist die klassische Gewandung ihres Sounds, der sich nie krampfhaft in die Achtziger verbeißt und auch keine trendigen Purzelbäume schlägt. Das dramatisch anschwellende Bring The Noise beispielsweise könnte sich bereits locker 15 Jahre auf CD fläzen, tönt freilich nach wie vor frisch genug, dass man nicht in glibberige Nostalgie verfallen mag.

Siberian Dream Map bezaubert als zeitlos schöne Scheibe. Eine Platte, die eine Entdeckung lohnt und keinerlei Vergleich scheuen muss. Ich für meinen Teil verneine, dass 2011 viele, bessere Titel als On My Way Back From The Moon aufbieten wird. Ach würde mir der Postbote doch öfter solch unbekannte Juwelchen in den Briefkasten kullern lassen. Ich wäre mit der Musik, dem ganzen Wust von Veröffentlichungen versöhnt.

Siberian Dream Map ist auf On The Camper Records erschienen.

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Kryptisch-dekorative Gehörgangtapete – Nina Kinert

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Heute wähne ich mich in der behaglichen Position, ein Album erwähnen zu dürfen, das mir einfach so in den Schoß fiel (erstens), so unerwartet, wie sonst nur Widrigkeiten hereinbrechen, in Form von herabzischenden Dachziegeln zum Beispiel, welches (zweitens) schlechthin makellos tönt, dass man es vor Freude nur zu knuddeln wünscht, weil die werte Künstlerin einen wunderbar eigensinnigen Sound über die gesamte Länge der Platte durchhält, die Songs mit Liebreiz spickt, der die Gehörgänge dauerhaft tapeziert, und, drittens, Erinnerungen hervorkramt, die vor Augen führen, dass nicht alles an der Achtzigern zum Fürchten war. Ich plaudere gerade über Nina Kinert, eine schwedische Singer-Songwriterin, und ihr neues Werk Red Leader Dream, dem man getrost die Schöner-Wohnen-Plakette 2010 verleihen darf. Mit derart viel Wohligkeit wurde das Ohrinnere dieses Jahr noch selten überzogen.

Wer eine Kuckucksuhr an der Wand und mit Intarsien verzierte Einrichtungsgegenstände präferiert, den mag Kinerts futuristisches, unenträtselbares Dekor im ersten Moment überfordern. Ihr praktizierter Dream-Pop schneit nicht ätherisch von der Zimmerdecke herab, räkelt sich lieber fiebrig im Schatten einer Lampe. Die von Synthies geschwängerte Luft wird von der rastlosen Stimme der Sängerin durchdrungen. Vulkanisch brodelnd sprenkelt Glut in ihrem Ausdruck, genau so, wie es die Heldinnen der Achtzigern vorexerzierten. Eine Tugend, die bei all dem heutigen Retro-Gedöns meist auf der Strecke bleibt. Den metallisch-spiegelnden Klängen werden Emotionen aufgesetzt, die eine steril-kühle Atmosphäre verhindern, vieles geheimnisvoll verzerren. Dieser Pop flüchtet sich keine Sekunde lang in Electro-Beliebigkeiten, statt Hochglanz flackern Neonlichter, welche das Halbdunkel nicht verscheuchen.

Die fernöstliche Ästhetik von Moonwalker bildet den traumhaften Auftakt zu einem mondwandlerischen Eintauchen in eine unscharfe Szenerie voller Liebesbeteuerungen, Imaginationen und Leid. Schwer greifbar, eine Fata Morgana, die sich über das verheißungsvolle Play The World senkt. Mit Down On Heaven perfektioniert die Künstlerin eine Entschwebung, deren Feurigkeit jedoch etwaige Engelsflügelchen sofort zu Asche verkohlt. “I see it all, I like it all, I see it all, I’m looking down on heaven” verortet sich Kinerts lyrisches Ego hier in unantastbaren Sehnsuchtsgefilden, nur um sich bereits  im nächsten Lied schlafend in die Klauen eines Tigers zu versenken. Tiger You hält das hohe Niveau der Gefühlstrance, ehe Push It den bislang konventionellsten Track darstellt, wieder fester mit beiden Beinen auf der Erde steht, sich die Augen reibt und einen desperat-flehenden Unterton nicht verkneift. In immer tiefere Liebesirrungen verheddern sich die folgenden Lieder, My Girl und Wings, letzteres mit dem schnörkellosen Refrain “He put my hand upon his heart, and it went boom boom boom boom boom boom“. Hoffnung und schützender Wärme steht jedoch auch die Leugnung von Herzschmerz entgegen. Doch richtig dingfest kann man dies alles nicht machen. Original Sin liefert sich gar an das Ungemach aus, begibt sich sehenden Auges in die Hände des vermeintlich gefährlich Geliebten. 25 verkündet letztlich mit den Worten “We’ll have a baby” dann doch ein Happy End, das in seiner unzweideutigen Verkündigung erst recht verdächtig wirkt.

Selten vermag man Nina Kinerts Kryptik zu erhaschen, baumeln ihre Worte im Ohr gleich einem aufreizend dekorativen Muster, welches man nicht durchblickt, das nur in den Augen des Schöpfers scharfe Konturen annimmt. Und so folgt man von wie eine Motte den schimmernden Lichtern, taumelt händeringend durch das Album, das meist wie ein Vexierspiegel funktioniert, mächtig nebulöse Gefühle zurückwirft. Red Leader Dream erinnert daran, dass die schönste Musik oft die ist, deren Sinn man nur erahnen darf. Man glaube mir, dies Album ist eine wahre Zierde für jegliche Plattensammlung.

Red Leader Dream ist am 05.11. auf Ninkina Recordings erschienen.

Konzerttermine:

22.11.10 Köln – Studio 672
23.11.10 Hamburg – Prinzenbar
24.11.10 Berlin – Privatclub
25.11.10 München – 59:1
27.11.10 Steyr (A) – Röda
28.11.10 Wien (A) – B72
30.11.10 Zürich (CH) – Papiersaal
01.12.10 Basel (CH) – Parterre

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MySpace-Auftritt

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SurealIshFantastiDreamPopIsh shoegazende Strände

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Noch ist es mehr Traum, als Wirklichkeit, zumindest in unseren Breiten, die Eröffnung der Strandseason. Jedoch bleibt uns so auch mancher Alptraum erspart. Musikalisch gesehen, feiern wir eine Hochzeit der singenden oder besungenen Strände  und das ganz fantastisch für Shoegaze und Dream Pop liebhabende Musikliebhaber.

Nicht nur Ohren-, sondern auch Augenschmaus ist das neue Video von Mew:

Mew – Beach

Beach from Evil Office on Vimeo.

Regie führten hier: Martin DeThurah, Adam Hashemi and Lasse Martinussen. Mew haben für ihr Album No more stories Are told … eine Reihe sehr interessanter Musikvideos gedreht, mehr Infos gibt’s auf ihrer Homepage.

Beach Fossils aus Brooklyn, NY fabrizieren wunderbar versirrter Shoegaze. Zum Kennen und Liebenlernen gibt’s gleich 2 Tracks geschenkt, Youth und Time.
Mehr Infos: MySpace

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Nachgereicht wird an dieser Stelle dann auch endlich der wunderbare Track Zebra von Beach House.

Mp3: Beach House – Zebra

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